Der Diener mit dem verstorbenen Herrn

From Pasakas un teikas
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Comments: Purgals in Āraiši hat eine Sage aufgeschrieben, nach der der Herr nachts auf sein Gut zurückgekehrt ist, um sein Geld zu zählen. Alles andere ähnlich wie in der obigen Variante. L. P.


Es lebte einmal ein verheirateter Herr. Er stand mit dem Teufel im Bunde. Aber er hatte einen Kutscher, einen stattlicher Burschen namens Ansis.

Schließlich ist der Herr eines Tages gestorben. Ansis aber verliebte sich in die Witwe seines Herrn. Auch sie war bereit ihn zu heiraten, aber unter einer bestimmten Bedingung: "Gut. Wenn du in den Keller hinabsteigst, in dem mein verstorbener Mann ruht und drei Nächte hinter einander neben seinem Sarg verbringst, dann will ich dich heiraten und du sollst an seiner Stelle Herr werden." Gut. Ansis ließ sich sogleich ein metallenes Hemd schmieden, zog es an, stieg in der Dämmerung in den Keller hinab und legte sich neben seinen verstorbenen Herrn in den Sarg. So schliefen sie beide, aber gegen Mitternacht schickte der Herr sich an, sich aus dem Sarg zu erheben. Was sollte nunAnsis machen? Auch er erhob sich.

"Höre, Ansis, bist du etwa auch gestorben?" fragte der Herr.

"Ja, ich bin auch gestorben!," antwortete Ansis.

"Nun, lügst du auch wirklich nicht?"

"Wenn Ihr mir nicht glauben wollt, Herr, so betastet meinen Leib!"

Der Herr betastete das metallene Hemd, merkte, dass der Leib von Ansis wahrhaftig erkaltet war und glaubte nun, dass er tot sei

"Wo sollen wir nun hingehen?" überlegten die Beiden.

Endlich beschlossen sie, sich in das Schloss des Herrn zu begeben. Sie betraten das Schloss, gingen durch alle Räume, verstreuten und verbrachen alles, was sie nur in die Hände bekamen und kehrten dann in den Keller zurück. Als sie in den Keller kamen, sprach der Herr zu Ansis:

"Leg du dich zuerst in den Sarg, Ansis!" Aber Ansis wehrte ab:

"Nein Herr: wie ich zu meinen Lebzeiten euch gefolgt bin, so will ich es auch als Toter halten!" Nichts zu machen: da legte sich der Herr zuerst in den Sarg, und Ansis folgte ihm. In der nächsten Nacht machten sie es ebenso: zuerst erhob sich der Herr aus dem Sarg, danach Ansis. Und nun beschlossen beide, die Felder zu umschreiten. Sie trampelten alles nieder und kehrten dann in ihren Keller zurück. Nun stritten sie sich wieder darüber, wer sich als erster in den Sarg legen sollte. Ansis blieb dabei, dass er es auch jetzt so halten wolle wie er es im Leben gewohnt gewesen war: seinem Herrn zu folgen.

Auch in der dritten Nacht wiederholte sich dasselbe: zuerst erhob sich der Herr aus dem Sarg. Dann erhob sich Ansis. Diesmal beschlossen sie, die Ställe zu besuchen: den Viehstall und den Pferdestall. Unterwegs sagte der Herr: "Wer hätte das nur gedacht, dass sich unter der Schwelle des Pferdestalles soviel Geld befindet und dass man so leicht an es herankommen kann!"

In den Ställen erschlugen sie eine Menge Rinder und Pferde und kehrten dann in den Keller zurück.

Im Keller sagte der Herr: "Wenn ein lebendiger Mensch mit dem Knie an meinen Sarg anklopfen und "Gott Vater, Gott Sohn — ruhe in Frieden," sagen würde, dann könnte ich nie mehr aufstehen. Und das Geld, das sich unter der Schwelle befindet, würde der Mann bekommen können. Gut, dass wir beide schon tot sind -

so wird es niemand erfahren."

Nun stritten sich beide wieder darüber, wer als erster in den Sarg legen sollte. Ansis blieb immer dabei: wie er zu seinen Lebzeiten seinem Herrn gefolgt sei, so wolle er ihm auch als Toter dienen. (Ansis fürchtete sich, der Herr könnte ihn umbringen.) Sie stritten sich so lange, bis der Hahn krähte. Als der Herr den Hahnenschrei hörte, sprang er mit einem Satz in den Sarg. Ansis sprang flink an den Sarg heran, klopfte mit dem Knie daran und rief: "Gott Vater, Gott— Sohn — ruhe in Frieden!" Nun vermochte der Herr nicht mehr aufzustehen, er konnte nur noch ausrufen: "Hätte ich das gewusst, dass du noch lebendig warst, so hätte ich dich zu Staub zermahlen!"

Nun kehrte Ansis aufs Schloss zurück, heiratete die Witwe des Herrn, grub das unter der Schwelle vergrabene Geld aus und lebte wie ein Herr.

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