Der Diener mit dem verstorbenen Herrn

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Comments: In der Variante aus Gulbene heißt es, dass der Großherr gekommen sei die Großfrau zu schrecken, er habe die Trommel geschlagen und die Frau gequält. Die Großfrau sei zum Pfarrer gegangen, dieser habe seine heiligsten Bücher genommen, habe das Grab des Großherrn geweiht und dann gesagt: nun könne man ruhig pfeifen – aufstehen werde er nicht können. Aber, denkste – er stand doch wieder auf. Darauf habe sich der Diener der Großfrau, Ansis, in den Sarg gelegt neben den Herrn, als ob er tot wäre. Als nun der Großherr zusammen mit Ansis in der Nacht zum Gut kamen, habe der Großherr Ansis die Trommel schlagen gegeben, um selbst zu hören, wie die Trommel klinge. Dann habe er gesagt: “Ansis, bei dir klingt die Trommel wie bei einem Lebenden und nicht wie bei einem Toten!“


In einem Gesinde starb der Bauer, der war vom Teufel besessen gewesen. Bei seinem Tode wollte er durchaus seine Frau das Zaubern lehren, um einen leichteren Tod und Ruhe im Grabe zu haben, aber sie wollte nichts von solchen Dingen wissen. Als er dann gestorben war, kam er Nacht für Nacht, die Bäuerin zu quälen. In demselben Gesinde war ein Knecht namens Ansis, der wollte die Bäuerin aus den Krallen ihres Mannes befreien. Er ging zum Schmied und ließ sich eiserne Handschuhe schmieden. Gut. Dann zog er die Handschuhe an, ging zum Grabe des Bauern und legte sich dort schlafen. Er schlief und schlief, da plötzlich, es hatte gerade zwölf geschlagen, fing der Bauer sich zu rühren an. Ansis sprang hurtig auf und trat dem Bauer entgegen. Dieser sagte: "Was, Ansis, bist du auch schon gekommen? Wie bist du hierher geraten? Reich mir mal deine Hand!" Ansis streckte ihm die Hand hin, und jener betastete den eisernen Handschuh. "Ja, du bist freilich tot. Sag, Ansis, wo gehen wir jetzt hin?" — "Ich weiß nicht, wohin wir gehen könnten." — "Wollen wir die Bäuerin quälen gehen?" — "Nein, Bauer, wollen wir lieber in die Kammer gehen und weiße Teller zerschlagen!" — "Gut, Ansis, wollen wir weiße Teller zerschlagen!"

Und nun gingen sie ins Haus zurück, traten in die Kammer, der Bauer nahm einen Teller, einen zweiten und dritten und schmetterte sie auf die Diele, aber weder zerbrachen die Teller, noch entstand dabei ein Lärm. Jetzt sollte Hans auch werfen. Aber sobald er einen Teller zu Boden warf, ging er knacks! mitten entzwei. Eilends kam der Bauer auf ihn zu: "Weshalb zerbrechen sie dir und mir nicht? Zeig mir deine Hand!" Hans zeigte sie ihm, und der betastete den eisernen Handschuh: "Ja, tot bist du, aber wie kommt es, dass sie bei dir zerbrechen?" — "Ich habe, Bauer, keinen so leichten Wurf, meine Hände sind von der Arbeit steif, ich kann den Teiler nicht geräuschlos hinwerfen." Nun, für diese Nacht war es damit genug, der Bauer ging in seinen Sarg zurück.

In der nächsten Nacht war Ansis wieder an seinem Platz, und um Mitternacht verließ der Bauer abermals sein Grab wie gestern und vorgestern. Als er Ansis sah, fragte er: "Ansis, bist du gestorben? Zeig deine Hand her!" Gut, der reichte ihm seine Eisenhand: ja, sie war wirklich kalt. "Wo gehen wir nun hin, Ansis?"-"Ich weiß nicht, wo— hin wir gehen könnten."-"Wollen wir in die Kammer gehen und die Bäuerin quälen!" "Nein, Bauer, wollen wir lieber in die Kammer gehen und weiße Teller zerschlagen!"-"Nein, Ansis, damit weißt du nicht Bescheid; wollen wir lieber die Bäuerin quälen gehen!" beharrte der Bauer. "Nein, Bauer, da seid Ihr auf dem Holzweg, wollen wir lieber weiße Teller zerschlagen gehen!"

Eine Weile stritten sie so miteinander, aber zuletzt behielt Ansis doch die Oberhand, und so gingen sie, Teller zu zerschlagen. Der Bauer warf zuerst — jeder Teller, den er hinwarf, fiel geräuschlos zu Boden und blieb heil. Dann kam Hans an die Reihe, aber so oft er einen Teiler hinwarf, gab es einen Heidenlärm, und er war mitten entzwei. Der Bauer fuhr wieder auf Ansis los: ob er nicht am Ende lebendig sei, er solle seine Hand herzeigen. Ansis reichte sie ihm, sie war wirklich kalt: Ja, du bist wirklich tot, aber weshalb zerbrechen die Teller bei mir nicht?" Und damit war es wieder Mitternacht, und der Bauer musste in den Sarg zurück. In der dritten Nacht zog Ansis einen Kreis rings um das Grab und schnitt in die Mitte ein Kreuz, auch nahm er einen schwarzen Hund mit sich. Um Mitternacht rührte sich der Bauer, aber der Hund fing an zu knurren, und das Kreuz war im Wege, er konnte nicht mehr aus dem Grabe heraus. Und so liegt er dort noch heute.

Aber Ansis habe geschworen, dass er gestorben sei! Der Großherr habe sich überreden lassen und habe Ansis nichts angetan. Beim Hahnenschrei seien beide wieder zu ihren Särgen gegangen und Ansis habe den Herrn endgültig in den Sarg gesperrt. L.P.

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