Der Diener mit dem verstorbenen Herrn

From Pasakas un teikas
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Nachdem der alte Gutsherr von Aumeisteri gestorben war, kehrte er nachts in sein Schloss zurück, plagte seine Frau und tobte im Schloss herum. Die Großfrau konnte sich vor ihm nicht mehr retten und versprach schließlich dem Diener viel Geld, wenn er es schaffe, den Großherrn für immer vom Schloss zu verjagen. Der Diener versprach es und passte nun auf, wann der Großherr wohl wieder aus dem Grab steigen würde.

Es war gegen Mitternacht. Da kam der Großherr wieder aus seinem Grab hervor und eilte zum Gutshof. Der Diener aber zog mit seinem Schwert drei Kreise um das Grab herum und legte sich in den Sarg des Herrn. Dann wartete er, was geschehen wird, wenn der Herr zurückkehren und sich in sein Grab legen will.

Es verging eine längere Zeit, schließlich kehrte der Großherr zurück, aber er vermochte nur bis zu den Kreisen zu gelangen, nicht weiter. Anfangs war der Großherr zornig und befahl dem Diener, aus dem Sarg zu steigen und ihn hineinzulassen, aber es war vergeblich: der Diener erhob sich nicht und ließ ihn nicht hinein. Da begann der Großherr im Guten und flehte ihn an, ihn doch in sein Grab zurückzulassen. Aber der Diener gehorchte noch immer nicht. Da begann der Herr, dem Diener allerlei zu versprechen. Der Diener aber verlangte drei Scheffel Geld — dann würde er ihn in sein Grab zurücklassen. Anfangs wollte der Herr dem Diener nicht so viel Geld geben, aber als jener nicht lockerließ, eilte er davon und schaffte auch wirklich das verlangte Geld herbei. Der Diener erhob sich aus dem Sarg und der Herr sprang sogleich hinein. Die Erde fiel von allein auf den Sarg und deckte ihn zu, und der Diener schlug mit dem Schwert dreimal neun Kreuze auf den Grab­hügel. Als der Diener die Kreuze schlug, schrie der Herr in seinem Grabe mit furchtbarer Stimme auf.

Von da ab ließ der Großherr sich nie mehr im Schloss sehen, denn er vermochte nicht mehr, aus dem Grab zu gelangen. Auch die Großfrau gab dem Diener viel Geld, und nun konnte er prächtig leben, denn an Geld mangelte es ihm nicht.

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