Die Manen quälen die Menschen

From Pasakas un teikas
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"Früher ist man nicht nur Manen begegnet, sondern auch

verschiedenen Gottchen (Götzen)

Ich fragte: "Was sind denn das für Götzen?"

"Wer kann das schon sagen, was das für Götzen waren?," antwortete er. "Früher brachte man ihnen zu essen. Wer mit ihnen gut umgehen konnte, dem haben sie geholfen."

Einmal hatte ein Bauer am Rain des Flachsfeldes für die Götzen Essen hingestellt. Dafür haben sie ihm in einer einzigen Nacht den ganzen Flachs gezogen — er hatte selbst gar nicht zu arbeiten brauchen; die Götzen verrichteten alles. Aber es wird erzählt, dass die Götzen nicht das Flachsfeld betreten dürfen. Sie müssen immer hübsch von einer Seite arbeiten, um kein Hälmchen niederzutrampeln.

Da fragte ich weiter: "Hat man den Götzen nicht einen besonderen Tag geweiht?"

"Nein, woher denn einen besonderen Tag, davon weiß ich nichts. Man sagt: die Pferde, die hätten wohl einen besonderen Tag, den Juris-Tag (Georgs-Tag), aber Götzen — das weiß ich nicht."

"Was hat man denn am Georgs-Tag gemacht, wisst Ihr das noch?," fragte ich.

"Was man gemacht hat, das weiß ich nicht. Aber das Pferd ist fast genau so viel wie ein Mensch — nur, dass es keine Seele hat. Deshalb hat es einen besonderen Tag."

"Wie kann denn ein Pferd fast so viel sein wie ein Mensch?," fragte ich.

"Wie es das sein kann? Wieso kann es denn nicht sein? Was könnt ihr ohne Pferd anfangen, was tun? Ist er wegen seiner Nützlichkeit nicht ebenso viel wert wie ein Mensch?"

"Gut, gut," antwortete ich, "aber erzählt mir nun weiter von den Toten, von denen Ihr vorhin angefangen habt!"

"Nun, von den Toten — das verhält sich so: sie haben oft als Geister ihre Gräber verlassen und sind den Vorbeigehenden erschienen. Einmal ist ein junges Mädchen spät abends zu seiner Mutter, die auf einem anderen Bauernhof lebte, gegangen. Sie musste am Friedhof vorbeigehen. Auf einmal hört sie: "Warte auf uns auch!"

Das Mädchen sieht sich um: zwei Burschen schicken sich an, sich zu ihr zu gesellen. Nun, macht nichts, man kann ja zusammen gehen. Sie kommen zum Haus der Mutter, da weichen sie (die Burschen) noch immer nicht. Nun wird es der Tochter doch etwas sonderbar zumute: schnell schlägt sie die Tür zu und eilt zu ihrer Mutter. Die Geister konnten nicht hereinkommen, wenn niemand sie hereinließ. Die Mutter fragte ihre Tochter: "Was hast du da für Begleiter?"

So und so — die Tochter erzählte es. "Aha, dann weiß ich wohl, Töchterchen, das sind Verstorbene, lass sie nur nicht herein!" Sie ließ sie nicht herein. Aber die draußen Gebliebenen begannen zu quengeln: "Was ist denn nun? Kommst du bald oder kommst du nicht?"

Als die Mutter das hörte, sagte sie zu ihrer Tochter: "Sag ihnen, dass du erst deiner Mutter die qualvolle Lebensgeschichte des Flachses erzählen musst, früher Kannst du nicht gehen."

"Was ist denn das: die qualvolle Lebensgeschichte des Flachses?"

"Das sind die Qualen, die der Flachs erleiden muss, bis man ihn als Hemd anziehen kann: er wird ausgesät, muss keimen, muss wachsen, muss reifen, muss in die Korndarre geschafft werden, muss das Brechen ertragen usw. usw."

Nun, die draußen vor der Tür sind auch bereit zu warten, bis sie das Erzählen der qualvollen Lebensgeschichte des Flachses beendet haben wird. Aber wie soll man denn so viele Qualen schnell erzählen? Es wird Mitternacht — die Tochter ist noch immer beim Erzählen. Schließlich — als der Hahn krähte — beendete sie die Geschichte. Aber sobald die Toten den Hahnenschrei hörten, verschwanden sie.

Ein anderes Mal hatten sich wieder Tote zu einem Mädchen gesellt und es zu einer Hochzeit begleitet. Das ahnungslose Mädchen tanzte mit ihnen, aber beim Tanz trat sie ungewollt ihren Tänzer auf den Fuß. Da blieb nur ein leerer Stiefel an der Stelle — sonst nichts."

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