Die Manen töten Menschen

From Pasakas un teikas
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Das begab sich zu der Zeit, als man noch zur Herrschaft zur Fron ging. Da gab es eine sehr kecke Arbeiterin, die sich vor nichts fürchtete.

Einmal ging diese mutige Person mit Milcheimern in die Keller und gewahrte dort ein Weibsbild in einem weißen Laken. Sie dachte: eine andere Arbeiterin wolle sie absichtlich erschrecken, und so riss sie ihr, ohne weiter hinzuschauen, das Laken herunter, lief zu den anderen Arbeiterinnen und prahlte herausfordernd: "Etsch! die wollte mich erschrecken!" Als sie aber das Laken näher betrachtete, -was ist denn das!— da hält sie ein eitriges Totentuch in der Hand. Nichts zu machen, genommen ist genommen, in den Keller zurück trug sie es nicht.

In der folgenden Nacht aber hört sie: Einer poltert ans Fenster und ruft: "Das Mädchen, das mir die Decke geraubt hat, soll sie mir wiederbringen!" Die mutige Arbeiterin hörte zwar, was es da für ein Unglück gab, tat aber, als hörte sie nichts, und so blieb es in dieser Nacht. In der zweiten Nacht aber hört sie: einer pocht schon an der Tür und ruft wieder ebenso. Sie lässt sich noch nicht anmerken. In der dritten Nacht ist der Polterer schon dicht am Bett, und nun sah das Mädchen wahrhaftig: die Sache steht faul, sie muss zum Pastor.

Der Pastor kam, segnete das Mädchen, und nun gingen alle Arbeiter ausnahmelos mit ihr zum Keller, das Tuch zurückzugeben. Das Mädchen selbst legte das Laken auf den Stein, wo damals die Tote gesessen hatte, und als sie eben heimkehren wollte, da vernahm man einen lauten Knall: Man schaute hin: da war der Kopf des Mädchens zum Nacken gedreht, und es war tot.

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