Manen werden umgebracht

From Pasakas un teikas
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Innerhalb der Grenzen der Kurmene-Gemeinde, nicht weit von dem Vērpeļi-Friedhof befindet sich der Wasserfall der Memel, Rumba genannt. Früher hat man an dieser Stelle an Sonntagmorgen sonderbare Laute — wie das Weinen eines kleinen Kindes — gehört. Oftmals suchten die neugierigeren und mutigeren Menschen nach dem Weiner und fanden ein kleines Knöchelchen, so groß wie ein Zeigefinger. Das eine Ende des Knöchelchens war offen. Aus diesem Ende trat Schaum hervor. Das Knöchelchen hüpfte und weinte. Das wiederholte sich an jedem Sonntagmorgen.

Einmal hat ein ausgedienter Soldat auch das Weinen gehört. Er dachte bei sich: "Da muss ich doch meine Hand ausprobieren, vielleicht gelingt es mir, es zu erschießen!" Ohne einem Menschen auch nur ein Wort zu sagen, schnitt er von seinem Mantel drei silberne Knöpfe ab und formte sie zu drei runden Kugeln, die er in seine Büchse lud. Dann begab er sich an einem Sonntagmorgen an die bekannte Stelle. Kaum stand er da, da hörte er, wie das Gespenst wieder laut aufschrie. Da erblickte er das kleine Knöchelchen, das hüpfte und weinte. Er trat zurück, zielte und schoss nach dem Weiner. Anstelle des Knöchelchens entstand ein großer Papierhaufen, der schnell verbrannte. Der Wind zerstreute die Asche, und nun war es still an der Stelle.

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