Manen werden umgebracht

From Pasakas un teikas
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In alten Zeiten lebten in einem Dorf zwei Waisen. Die ältere Schwester hieß Alona, die jüngere Madaļa. Sie hatten ein sehr kleines und windschiefes Häuschen, das sich bedenklich nach einer Seite neigte. Sie waren noch nicht verheiratet. Da begann ein ausgedienter alter Soldat, der seinem König fünfundzwanzig Jahre gedient hatte und nach Hause entlassen war, Madaļa zu besuchen. Er konnte Stiefel anfertigen und verdiente gut dabei. Der Soldat heiratete Madaļa und lebte nun in ihrem Häuschen mit seiner Frau und deren Schwester Alona. Madaļa und ihr Mann schliefen auf dem Hausboden, Alona schlief in der Stube, die so klein war, dass darin kein Platz für ein zweites Bett war.

So lebten Madaļa und ihr Mann bereits vier Jahre zusammen. Der Mann vertrank alles Geld, das er verdiente, und stahl die Kleider seiner Frau, um sie gegen Branntwein zu verkaufen. Madaļa und Alona schimpften oft auf ihn, aber er kümmerte sich nicht darum. Einmal war er zur Stadt gegangen. Dort vertrank er nicht nur sein ganzes Geld, sondern auch noch seine Kleider und seine Stiefel. Er behielt nur seinen alten Mantel, in dem er nach seinem Dienst heimgekehrt war. Als er alles vertrunken hatte, kam er nach Hause. Seine Frau und ihre Schwester sprachen zu ihm (sein Name war Pīteris): "Pīteris, Pīteris, was tust du nur? Du hast alle deine Kleider vertrunken und bist nun so gut wie nackt." Pīteris entgegnete nichts darauf und ließ den ganzen Tag den Kopf hängen. Schließlich ging er in den Wald und erhängte sich an einem Espenbaum. Es wurde Nacht, aber Pīteris war noch nicht nach Hause gekommen. Madaļa dachte, dass er wieder irgendwo trank. Am nächsten Tag ging eine Frau von einem anderen Hof in den Wald, um Holz zu holen. Da erblickte sie jemanden, der an einem Espenbaum hing. Sie ging näher heran und erkannte Sogleich Pīiteris. Die Frau eilte nach Hause und erzählte allen Leuten, was sie im Walde gesehen hatte. Dann lief sie zu Madaļa und sprach: "Dein Pīteris hat sich im Walde erhängt. Ich selbst habe ihn dort gesehen." Als Madaļa diese Nachricht hörte, begann sie zu weinen und zu schreien, denn sie hatte ihren Pīteris sehr lieb gehabt. Die Burschen des Dorfes kamen mit dem Polizisten und gingen mit ihm zu der Stelle im Walde, an der sich Pīteris erhängt hatte. Der Polizist stellte Wachen auf, damit niemand Pīteris in der Nacht stehle, und begann zu untersuchen, warum er sich aufgehängt hatte. Es kamen auch der Untersuchungsrichter und der Doktor, die zusammen mit dem Polizisten die Leiche ansahen. Dann befahlen sie, im Moor eine Grube zu schaufeln, in der Pīteris begraben wurde/ Betrübt gingen Madaļa und Alona nach Hause. Es wurde Nacht, und sie legten sich schlafen. Plötzlich erhob sich ein Sturm, Pīteris lief pfeifend ums Haus, klopfte an die Fenster und rief: "Lasst mich ins Haus!" Madaļa und Alona waren sehr erschrocken und begannen zu beten. So verbrachten sie die erste Nacht. In der nächsten Nacht wiederholte sich dasselbe. Sie sprachen darüber im Dorf mit ihren Nachbarn und fragten sie um Rat. Die Nachbarn waren bereit, bei ihnen zu übernachten. Sie lagen und horchten. Wieder erhob sich ein heftiger Sturm, wieder lief Pīteris pfeifend ums Haus, rüttelte an Türen und Fenstern und verlangte, dass man ihn ins Haus lasse. Ein altes Mütterchen fragte Madaļa: "Vielleicht ist hier etwas zurückgeblieben, was Pīteris gehört? Vielleicht rennt er deshalb ums Haus." "Es ist nichts da," antwortete Madaļa, "nur sein alter Mantel, den ich zur Erinnerung mitgenommen habe." Da sagte die Alte: "Tu, was ich dir jetzt sagen werde, Madaļa: nimm den alten Mantel und bringe ihn zu der Stelle, an der Pīteris begraben wurde. Grabe ihn heraus, schlage ihm mit der Axt den Kopf ab, leg ihm den Kopf zwischen die Beine und ramme ihm einen Pfahl aus Espenholz durch den Leib. Das alles musst du in der Nacht tun." Madaļa hörte auf den Rat der Alten. Sie rief ihren Nachbar zu Hilfe und führte alles so aus, wie die Alte es gesagt hatte. Seit der Zeit konnten die beiden Waisen wieder in Frieden leben.

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