Wohlgesinnte Manen

From Pasakas un teikas
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Comments: Es scheint das "Tränenkrüglein" aus dem "Skolas maize" ("Brot der Schule"), I, 15 zu sein, aber schon mit Ergänzung von den trockenen Kleidern. P.Š.


Eine Mutter hatte ein einziges Töchterchen. Sie war sieben Jahre alt, als sie starb. Die Mutter trauerte sehr um ihr Töchterchen und weinte nach ihm. Als die Mutter eines Abends wieder um ihr Töchterchen weinte, sagte sie bei sich:

"Wenn ich doch mein Töchterchen noch einmal sehen könnte, wenn es doch noch einmal mit mir sprechen würde!"

In der folgenden Nacht trat das Töchterchen im Traum an das Bett der Mutter: sein Hemdchen war vorn ganz nass und in der Hand hielt es ein Krüglein, dass zum Überlaufen voll war. Die Mutter eilte ihm entgegen und rief: "Oh weh, Töchterchen, du bist ja ganz nass!"

"Ich habe das Tränenkruglein in der Hand," sagte das Töchterchen, "es ist schon übervoll, und nun fließen die Tränen auf mich. Weine nicht mehr nach mir. Wenn du noch weinen wirst, dann werde ich ganz nass liegen müssen, und das wird sehr schwer sein für mich."

Die Mutter versprach, von nun an nicht mehr zu weinen. Und sie weinte auch nicht mehr um ihr Töchterchen. Kurze Zeit darauf erschien ihr das Töchterchen wieder im Traum, diesmal waren seine Kleider ganz trocken. Es erzählte der Mutter, dass es jetzt gut habe, nur solle sie nie mehr weinen.

Die Mutter weinte nicht mehr nach ihrem Töchterchen, und es ist ihr auch nicht mehr im Traum erschienen.

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