Wohlgesinnte Manen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Eine Mutter lag auf dem Sterbebett. Ihr kleines Töchterchen stand neben ihr und weinte: wer solle ihr Haar bürsten, wenn die Mutter gestorben sein werde? Die Mutter tröstete sie und sagte, sie brauche nicht zu weinen. Wenn sie gestorben sein werde, dann solle das Töchterchen an einen entlegenen Platz des Hofes gehen, sie werde kommen und sein Haar bürsten.

Gut. Als die Mutter gestorben war, ging das Töchterchen oft an den verabredeten Platz, und die Mutter bürstete immer sein Haar. Die Leute wunderten sich, wer ihr Haar bürstete, aber sie sagte nur, die Mutter — und weiter nichts. Als das Mädchen eines Tages wieder an den verabredeten Platz kam, hatte die Mutter sehr kalte Hände. Da rief das Kind aus:

"Wie kalt deine Hände sind, Mütterchen!"

Diesmal tat die Mutter nichts. Ein anderes Mal hatte sie einen schlechten Geruch, und das Mädchen rief aus: "Mütterchen, du riechst ja so schlecht!"

Da schlug die Mutter das Kind mit der Hand und verschwand. Seit dem Tag ist sie nie mehr gekommen, ihrem Töchterchen das Haar zu bürsten. Wohl ging das Kind noch oft zu der verabredeten Stelle und weinte, aber es war alles umsonst.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox