Wohlgesinnte Manen

From Pasakas un teikas
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In alter Zeit lebte einmal ein sehr reicher, aber auch sehr geiziger Gutsherr. Er wollte, dass man ihm sein Geld in den Sarg legte, denn es den Verwandten hinterlassen — nein! Als er gestorben war, gab man ihm sein ganzes Geld in den Sarg mit. Dann wurde er im Kirchengewölbe beigesetzt. Aber das Schicksal gönnte dem Geizkragen auch im Sarge keine Ruhe: er musste an der Tür der Sakristei stehen und sein Geld bewachen.

So wachte er denn dort Tag und Nacht und erschreckte oft die Leute, die sich aber bald beruhigten, als sie sahen, dass er niemand etwas zuleide tat.

Aber eines Abends saß der Glöckner mit einem anderen Mann im Kirchkrug und trank. Der Andere prahlte mit seinem großen Mut.

Der Glöckner sagte: "Wenn du denn so mutig bist, so geh und hole den, der an der Sakristeitür hockt, dafür bekommst du 5 Taler!"

Gut, der Mann begab sich in die Kirche und sagte zu dem Hocker: "Komm, klettere auf meine Schultern!"

Der Hocker kletterte auf seine Schultern und er brachte ihn zum Krug. Dort setzte er ihn auf den Tisch, der an der Tür stand. Der Hocker begann herumzukriechen, und die Trinker lachten darüber. Schließlich versprach der Glöckner dem Mann noch 5 Taler für das Zurückbringen des Hockers.

Gut. Der Mann sagte zu dem Spuk: "Klettere auf meine Schultern!" Der Spuk kletterte auf seine Schultern und er trug ihn zur Kirche zurück. Auf dem Weg zum Krug war dem Mann seine Last federleicht vorgekommen, aber jetzt wäre es ihm schon gleich zu Anfang so, als würde er ein halbes Lof Roggen auf dem Rücken haben. Auf dem halben Weg war die Last so schwer wie ein Lof, zum Schluss wie vier Lof Roggen. Als der Mann den Spuk an seinen Platz gebracht hatte, sagte er: "Klettere 'runter!"

Aber der Spuk antwortete: "Das werde ich nicht tun! Warum hast du mich zum Krug gebracht und mich von den Trinkern verspotten lassen! Führst du alles aus, was ich dir befehlen werde, dann wirst du am Leben bleiben, sonst musst du sterben!"

Der Mann versprach: "Ich werde alles tun" (was du verlangst. Da führte das Gespenst den Mann in das Kirchengewölbe zu seinem Sarg hinab, "Pack an und zieh den Sarg in die Schule! Schaffst du es, so soll das Geld dir gehören!" Der Sarg hatte Silberne Griffe zum Tragen. Der Mann ergriff die Silbergriffe und zog aus aller Kraft. Aber die anderen Toten

hielten den Sarg fest. Schließlich gelang es ihm doch, den Sarg in die Schule zu ziehen. Da traten die Verstorbenen zurück und sagten: "Zieh nur, dass dir die Augen aus den Augenhöhlen springen — jetzt ist der Sarg auf deinem Grund und Boden!"

Der Mann machte sich daran, das Geld aus dem Sarg zu holen. Das Gespenst fügte noch hinzu: "Sollte noch einer von meinen Verwandten am Leben sein, so gib ihm ein Drittel des Geldes, die zwei Drittel kannst du selbst behalten."

Es fand sich nur noch ein armes Schusterlein, das mit dem Gespenst verwandt war. Er bekam ein drittel des Geldes und wurde ein reicher Mann.

Das Gespenst sah man aber nie mehr an der Kirche.

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