Die Schatten spuken

From Pasakas un teikas
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Vor vielen Jahren war Großvater Rode Gutsverwalter in Livland gewesen. Neben dem prächtigen Gutshaus befand sich ein großer Obstgarten. Im Garten gab es einen Teich und an dem Teich standen die Badestube und ein Waschhaus. Am Hiobstag kamen die Frauen der Gemeinde, um die Gutswäsche zu waschen, wie es in alten Zeiten, als man noch die Fronarbeit leisten musste, Brauch war. Am Nachmittag — es war schon gegen Abend ist der alte Rode durch den Garten zum Waschhaus gegangen, um zu sehen, ob die Frauen fleißig bei der Arbeit waren. Als er durch den Garten ging, erblickte er ein kleines Kindchen, das, mit einem Hemdchen bekleidet, zwischen den Dornbüschen herumlief. Rode, der glaubte, dass eine der Frauen ihr Kindchen mitgenommen und es ohne Aufsicht im Garten gelassen hatte, wo es leicht in den Teich fallen konnte, wollte es einfangen und ins Waschhaus bringen, aber vergeblich: das Kindchen trippelte — leicht wie ein Federchen, zwischen den Dornbüschen herum, um schließlich zu verschwinden. Schweißgebadet und erschrocken betrat Rode das Waschhaus und fragte, welcher Frau das Kindchen gehöre. Die Frauen aber spuckten und sagten: "Pfui, Herr, lasst nur das Kindchen in Ruhe. Seit vielen Jahren spukt es im Garten herum und weint, besonders dann, wenn die Frauen der Gemeinde zusammen getrieben werden, die Wäsche der Herrschaft zu bleueln: vielleicht tut es ihm leid, dass wir ohne Bezahlung arbeiten müssen."

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