Die Schatten spuken

From Pasakas un teikas
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Der alte Küster von Sunākste schlief ganz allein in dem alten Küsterhaus; das neue Küsterhaus ist an einer anderen Stelle erbaut worden. Das Gesinde schlief in der Korndarre, um rechtzeitig beim Dreschen sein zu können. Allein geblieben, verriegelte der Küster die Tür und begab sich zur Ruhe. Gegen Mitternacht erwachte er aus tiefem Schlaf — der Mond schien hell durch das Fenster herein — und erblickte an dem Türpfosten, in den ein großer Nagel eingeschlagen war, ein junges, unbekanntes Mädchen das sich erhängt hatte. Das Mädchen sah blass aus, es trug ein verblichenes, kurzes Baumwollkleidchen, Strümpfe, die an den Waden heruntergerutscht waren, und alte, ausgetretene Schuhe an den Füßen. Der Küster wunderte sich, wie das Mädchen hereingekommen sein mochte und warum es sich erhängt hatte. Da er jedoch ein mutiger Mann war, erhob er sich aus dem Bett: und ging auf das Mädchen zu, um es zu befühlen; vielleicht war es noch zu retten. Als er jedoch herantrat, war von dem Mädchen keine Spur zu finden, nur Kleider hingen an dem Nagel. Aber sobald er sich wieder ins Bett gelegt hatte, sah er wieder, dass das Mädchen an dem Türpfosten hing. Er erhob sich wieder, ging zur Tür und befühlte die Kleider: wieder nichts, nur Kleider allein. Als der Küster jedoch die Kleider von dem Nagel abnehmen wollte, wurde er plötzlich von einer sonderbaren Angst gepackt und ein frostiges Zittern schüttelte seinen Körper. Da eilte er so schnell er nur konnte zur Korndarre, um sein Gesinde zu rufen. Die Burschen kamen mit Windlaternen herbeigeeilt und durchsuchten alle Winkel, aber das Mädchen war nirgends zu finden. Nur verschiedene Kleider hingen an dem Nagel an der Tür.

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