Die Schatten spuken

From Pasakas un teikas
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Ein Bursche und ein Mädchen brachten zu Weihnachten — es war in Litauen — ein Kindchen zum katholischen Pfarrer zur Taufe. Es schneite und es war kalt, deshalb hatten sie das Kindchen in warme Kleider gehüllt. Als sie zu dem Pfarrer kamen baten sie ihn, das Kindchen zu taufen, und wickelten es aus. Aber diese Überraschung: es war kein Kindchen, sondern anstelle des Kindes ein Zicklein, das gleich zu blöken begann: "Meh, meh!"

Der Pfarrer schalt die Paten aus und sagte, er könne ein Tier nicht taufen, sie sollten nach Hause fahren. Was war nun zu tun. Die Paten wickelten das Zicklein in die warmen Kleider und machten sich auf den Heimweg. Auf dem halben Wege befand sich ein Wirtshaus, an dem sich zwei Straßen kreuzten. Die Paten betraten das Wirtshaus, wo sie auch anderen Leuten von der sonderbaren Verwandlung erzählen wollten. Sie wickelten das Zicklein aus — und seht! — es war kein Zicklein mehr, es war ein Kindchen.

Der Wirt und die Leute m Wirtshaus begannen die Paten auszulachen. Da fuhren sie auf einem anderen Weg zum Pfarrer zurück. Sie erzählten ihm, was geschehen war, und wickelten das Kindchen wieder aus. Aber: es war weder ein Kindchen noch ein Zicklein, sondern nur ein Eisklümpchen, das sie ausgewickelt hatten. Was war denn das für Narrentreiben! Der Pfarrer wurde noch zorniger und sagte streng: "Eine leblose Sache kann ich noch weniger taufen. Wenn ihr mich zum Narren halten wollt, so verlasst sogleich mein Haus, ihr schamlosen Menschen!"

Die Paten hielten wieder vor dem Wirtshaus an der Wegkreuzung und wollten anderen Leuten das Eisklümpchen zeigen, aber: in den Windeln lag kein Eisklümpchen mehr, sondern ein Kindchen. "Ist das nicht eine Strafe Gottes!" klagten die Paten, "der Teufel wird uns unterwegs diesen Streich gespielt haben. Was sollen wir nur tun?" Da kam ein alter Besprecher und Wohltäter auf sie zu und gab ihnen einen guten Rat: sie sollten einen Ferding auf die Wegkreuzung legen, sich nicht umsehen und auf großen Umwegen zum Pfarrer zurückfahren. Die Paten handelten nach dem Rat des Besprechers und fuhren zum dritten Mal zum Pfarrer. Sie schworen bei Gott und erzählten, was ihnen wieder passiert sei. Dann wickelten sie das Kindchen aus — und: Wunder über Wunder — diesmal befand sich eine Handvoll Roggenhalme anstelle des Kindes. Anfangs war der Pfarrer sehr aufgebracht, aber — eine lange Pfeife rauchend — überdachte er die Sache gründlich. Dann beschloss er, den Strohwisch auf den Namen Stepiņš (Stephan) zu taufen. Nachdem er ihn mit Wasser besprengt mit geweihtem Öl eingerieben und mit einem Kreuzzeichen gesegnet hatte, verwandelte sich der Strohwisch wieder in ein Kindchen. Die Paten bedankten sich herzlich, überreichten dem Pfarrer Geschenke und machten sich dann froh auf den Heimweg. Wohl meckerte das Kindchen unterwegs mitunter wie ein Zicklein, raschelte wie Stroh und krachte wie Eis im Frühjahr, als sie jedoch, an der Wegkreuzung angelangt, es aus den Windeln wickelten, sahen sie, dass das Kindchen ruhig schlief. Das Kind wurde Stepiņš Vīkšķītis (Strohwisch) genannt. Ob es auch groß geworden ist, das weiß ich nicht zu sagen.

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