Die Schatten spuken

From Pasakas un teikas
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An der Brücke von Kundzaste spukte es. Früher wurde an der Stelle — wenn man Tote zum Friedhof brachte — Branntwein getrunken und auch auf die Erde gegossen: die Toten nahmen Abschied von Ērgala, denn dort verlief die Grenze. Die Erzählerin, die Gaiļi Mutter, hatte selbst gesehen, dass es dort spukte: es wurde ihr ganz bunt vor den Augen, im Erlengebüsch am Wasser hörte man Lärmen und das Wasser war aufgepeitscht, obwohl es sonst ganz windstill war. Da hat die Gaiļi Mutter angefangen, das Vaterunser zu beten. Allmählich verstummte das Lärmen.

Auch die Schwägerin hatte selbst gesehen dass es in Kundzaste spukte: ein Gespenst löste das Rad vom Wagen. Die Bäuerin nahm ihre beiden Kinder und eilte dem Gespenst nach, um das Rad zu holen, denn sie hatte Angst, das Gespenst könnte auch die Kinder entführen, aber da war von dem Gespenst keine Spur mehr zu sehen.

Auch Andris Rudzis hatte selbst gesehen, dass es an der Stelle spukte: ein kleiner Junge mit einer großen Mütze, der wie der Viehhüter Miķelis des Nachbarhofes aussah, ging vor ihm her. Andris rief: "Miķelis, Miķelis, wollen wir zusammen gehen!" Aber da schlug sich der Junge seitwärts in den Wald und verschwand wie Spreu im Winde. Als Andris Rudzis heimkam, sah er, dass Miķelis seine Schweine hütete — er war es also gar nicht gewesen.

Es spuke auch in Bronga — auf der Straße, die nach Rodzinieki führt. Dort werden einem die Augen so verwirrt, dass der Mensch sich im Walde verirrt, obwohl eine ordentliche Straße dort entlang führt.

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