Schatten (Gespenster) in Tiergestalt

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein Bauer namens Ķilpuks. Er war sehr arm, aber — weiß Gott wie er dazu kam — war er doch immer betrunken. Weihnachten kam heran. Alle Leute bereiteten sich vor, das Fest ehrlich und fröhlich zu verbringen. Auch Kilpuks bereitete sich vor, aber auf andere Art: er wollte noch mehr Branntwein und andere starke Getränke haben. Geld hatte er nur sehr wenig, deshalb beschloss er, die letzte Kuh zu verkaufen, dass ihm noch im Stall verblieben war.

Unglücklicherweise verendete die Kuh gerade kurz vor Weihnachten. Ķilpuks überlegte lange, wie er sein Unglück meistern könnte. Schließlich fiel ihm guter Rat ein. Er schleifte die verendete Kuh hinter die Korndarre und zog ihr die Haut ab. Die Haut wollte er gut verkaufen, was ihm auch gelang. Aber er wollte nicht nur mit der Kuhhaut Geld verdienen, sondern auch mit ihrem Kadaver. Er schleppte den Kadaver der Kuh an den Waldrand, nicht weit von der Korndarre entfernt, und ließ ihn dort liegen. Selbst ging er in die Korndarre zurück und begann auf die wilden Tiere zu warten, die sich gewiss dem Kuhkadaver nähern würden. Für die erschossenen Tiere hoffte er wenigstens so viel Geld einzunehmen wie er für die Kuh erhalten hätte, wenn er sie hätte verkaufen können. Aber in der ersten Nacht hatte Kilpuks kein Glück. Er steckte den Lauf der Büchse durch ein kleine Ritze in der Wand und begann aufmerksam das Feld zu beobachten, aber bald wurde es ihm kalt, er wickelte sich fest in seine Kleider und schlief ein. Er erwachte erst am nächsten Morgen, als es hell war. Am nächsten Abend trank er vorher ordentlich, um kräftiger und mutiger zu sein, aber es geschah dasselbe. Bekümmert eilte er am nächsten Morgen zu dem Kadaver und sah, dass Tiere das schon gefressen hatten. Kilpuks verfluchte sich selbst vor Wut. Schließlich kam der Heiligabend. Kilpuks war tief betrübt. Er nahm Bier und Branntwein mit, soviel er noch davor hatte, um ununterbrochen trinken zu können, nicht zu frieren und nicht einzuschlafen. Um Mitternacht war Ķilpuks noch immer beim Trinken. Da erblickte er durch die Wandritze irgendwelche Tiere, die an dem Kuhkadaver rissen. Ķilpuks wollte schießen, aber da bemerkte er, dass es bereits doppelt so viel Tiere da waren. Es kamen immer mehr hinzu und schließlich waren solche Scharen wilder Tiere da, dass ihm die Haare zu Berge standen: sie alle rissen an dem Kuhkadaver und bissen einander. In seiner Angst drückte Ķilpuks ab, aber jetzt geschah etwas Furchtbares: gleich nach dem Knall sprang die zerrissene Kuh auf und rannte auf ihn zu. Angerannt, konnte sie jedoch nicht in die Korndarre hinein. In seiner Angst rannte Ķilpuks zur Tür, aber die Tür erzitterte schon von der Hornstößen der Kuh: die Tür sprang auf und die Kuh kam hereingesaust. Kilpuks kletterte auf die Darrbalken, die Kuh hinter ihm her. Er kroch so schnell er nur konnte durch die Dachluke auf das Dach der Korndarre hinaus. Die Kuh wollte ihm folgen, aber in diesem Augenblick krähte der Hahn, und die Kuh blieb in der Dachluke hängen.

Am Weihnachtsmorgen erwachte Ķilpuks im tiefen Schnee an der Korndarre. Der ganze Körper tat ihm weh, und sein Kopf war so schwer, dass er nichts begreifen konnte. Viel später, als Ķilpuks wieder unter die Leute ging, begann er zu erzählen, was er in der Heiligen Nacht um seiner Trunkenheit willen erlebt hatte, aber er wusste selbst nicht zu erklären, ob es in Wirklichkeit oder im Traum geschehen war.

Die Leute erzählen aber noch heute, dass an der Decke der verfallenen Korndarre des Trinkers Ķilpuks der Kadaver seiner Kuh hängen soll.

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