Schatten in Tiergestalt, die zusehends wächst

From Pasakas un teikas
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Der Buschwächter Strautiņš übte treu sein Amt aus. Er bewachte sein Waldrevier nicht nur am Tage, sondern auch nachts, um es vor Schaden zu bewahren. Wie er es schon oftmals getan hatte — nahm er eines Abends wieder, seine Büchse und begab sich auf eine Lichtung, wo er neue Bäume gepflanzt hatte, um zu sehen ob die Nachthüter nicht an verbotener Stolle Pferde hüteten. Er fand auch einen Schimmel, aber kein Nachthüter war weit und breit zusehen. Was sollte er nun tun? Er löste die Bein fesseln des Pferdchens und bestieg es, um nach Hause zu reiten. Aber sonderbar! Das Pferdchen wurde immer größer und lief so schnell, dass dem Buschwächter der Wind um die Ohren sauste. Schließlich war es so groß geworden, dass es die höchsten Bäume überragte. Nun konnte er nicht mehr abspringen. Da er glaubte, dass er sowieso des Todes sei, rief er in der Bedrängnis aus: "Gott Vater, rette mich!" Da bemerkte er, dass das Pferd bereits kleiner wurde und flehte weiter: "Gott Sohn! Erlöse mich von dem unreinen Geist!" Da wurde das Pferd kleiner und kleiner und lief nun nicht mehr so schnell. Da raffte sich der Buschwächter noch ein drittes Mal zusammen und rief: "Gott Heiliger Geist, erleuchte meinen Sinn!" Und was denkt ihr? Auf einmal stand der Buschwächter St. an derselben Stelle, an der er das Pferd bestiegen hatte, aber der Schimmel war verschwunden.

St. eilte nach Hause. Sonst war er gesund geblieben, aber sein Bauch begann von jener Nacht an zu schwellen — vielleicht von der überstandenen Angst — wie bei einer trächtigen Stute. Wenn er noch immer mehr anschwellen sollte, dann kann man nicht wissen, ob er eines Tages nicht platzt.

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