Unsichtbare Schatten (Gespenster)

From Pasakas un teikas
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Comments: Eine ähnliche kürzere Sage hat auch der Lehrer V. Ozoliņš für die Sammlung von Lerchis-Puškaitis aufgeschrieben. P.Š.


Über den Bau der Kirche in Madliena (in Livland) hat sich im Gedächtnis der Leute die folgende Sage erhalten: Als man den Kirchbau begonnen hatte, hatte der Baumeister großes Pech: alles, was am Tag erbaut worden war, wurde in der darauf folgenden Nacht niedergerissen. Es verging eine längere Zeit: aber die Arbeit ging nicht voran. Der Baumeister Wollte es schon aufgeben, da erschien ihm ein Mann im Traum, der zu ihm sprach: "Die erste Frau, die am nächsten Morgen hier vorbeikommen wird, müsst ihr ergreifen und einmauern, dann wird die Arbeit gut vonstatten gehen." Der Baumeister erzählte seinen Traum am nächsten Morgen seinen Arbeitern. Diese waren bereit, eine Höhle in der Mauer zu errichten und die Frau darin einzumauern, die heute als erste vorbeikommen würde. So geschah auch. Die Arbeiter errichteten die Höhle. Es regnete jedoch an jenem Tage so, dass der Bach, der an der Kirche vorbei floss, dermaßen überschwemmt war, das man ihn kaum noch durchwaten konnte. Doch gegen Mittag erschien eine Frau, watete durch den Bach und ging an der Kirche vorbei. Diese Frau war die Frau des Meisters. Jetzt wollte der Meister wohl nicht mehr erfüllen, was er sich vorgenommen hatte, aber er sträubte sich vergeblich: die Arbeiter bestanden darauf, dass die Frau eingemauert werden sollte Schließlich führte der Meister seine Frau auf der Mauer spazieren: sie solle sich umsehen. Die Frau bemerkte auch die Höhle und fragte ihren Mann, wozu sie da sei. Der Mann antwortete: ein Gewölbe in der Mauer werde es auch nach der Fertigstellung der Kirche möglich machen, dass man sich innerhalb der Mauer bewegen können werde. Die Frau könne sich ruhig in dem Gewölbe umsehen. Die Frau, die an nichts Arges dachte, stieg in die Höhle hinab. Sofort mauerten die Arbeiter die Öffnung zu, ohne auf die Bitten der Frau zu hören, die sie anflehte, sie herauszulassen. Jetzt gingen die Bauarbeiten gut voran, und die Kirche war bald fertig. Der Name der Frau des Meisters war Madliena (Magdalena), deshalb heißt auch die Kirche die Madliena-Kirche. Kurz nachdem die Kirche fertig geworden war, verschwand auch der Meister mit den Kirchenschlüsseln. Nach einiger Zeit fand man ihn im Kirchturm — verhungert. Die Schlüssel hatte er aus dem Turmfensterlein geworfen.

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