Der Irreführer in Tiergestalt

From Pasakas un teikas
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Vor etwa zweiunddreißig Jahren brannte die Korndarre des Schwarz-Gutes nieder. Am Tag war es an der Stelle ruhig und still, aber nachts zwischen halb elf und zwei pflegten dort böse Geister und Irreführer zu erscheinen. Bauern, die um diese Zeit dort vorbeifuhren, kamen nicht mehr von der Stelle, obwohl den Pferden der Schaum vors Maul trat. Sie blieben in der Nähe der Korndarre; erst als die Uhr zwei geschlagen hatte, merkten sie, dass sie sich von der Stelle wieder entfernten. Davon hatte ein gottesfürchtiger Bauer erfahren. Nun nahm er sich vor, gerade um Mitternacht an jener Stelle vorbeizufahren. Die Uhr schlug gerade elf, als er sich der Korndarre näherte und ein Gebet zu sprechen begann. Aber sobald er nach der Korndarre hinsah, vergaß er die weiteren Worte des Gebetes. Nun sah er nicht mehr hin, betete zu Ende und kam glücklich an der gefährlichen Stelle vorbei! Als er wieder zu Hause war, erzählte er seinem Nachbar von seinem Erlebnis. Da sagte der Nachbar: "Du Dummkopf! Ich an deiner Stelle wäre herangegangen und hätte nachgesehen, was zu so später Stunde in der Korndarre noch geschieht."

"Nun, wenn ich das nächste Mal nach Riga fahren werde, dann werde ich es tun," sagte der Bauer. Gedacht, getan. Eine Stunde vor Mitternacht näherte er sich der Korndarre. Er stieg aus dem Wagen, band sein Pferdchen an und trat; an die Korndarre, aus der ein Lichtschein drang. Was sieht er? Furchtbare Gestalten sind dabei, Goldgeld zu schmieden. Ein großer Geldhaufen lag bereits auf der Erde. Nun wusste er, dass das böse Geister waren. Er hatte Angst, sie könnten ihn bemerken, und wollte schnell davonfahren, aber er konnte sein Pferdchen nirgends finden. Er lief umher und suchte das Pferd, aber er befand sich immer wieder in der Nähe der Korndarre.

Er ging und ging, kam aber nicht von der Stelle. Als es hell wurde, erblickte er vor sich auf dem Weg ein kleines Kälbchen. Er wollte das Kälbchen aufheben, konnte es aber nicht einmal bewegen. Da stieß er ungewollt einen Fluch aus, und nun, konnte er das Kälbchen auf einmal ganz leicht aufhelfen und erblickte auch sein Pferd, das neben ihm angebunden stand. Auf einmal krähte der Hahn. Da wurde das Kalb in seinen Armen wieder so schwer, dass er es fallen lassen musste. Das Kalb lief schnell in die Richtung der Korndarre und sah dabei wie ein Mensch aus. Es drehte sich nochmals um und rief dem Bauer zu: "Erkennst du das Kalb?"

Erschrocken sprang der Bauer in den Wagen, rief aber noch zurück: "Erkennst du den Träger?" Dann fuhr er schnell davon. Zu Hause aber lag er lange Zeit krank.

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