Der Teufel als Irreführer

From Pasakas un teikas
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Eiklons lebte als Tagelöhner auf dem Kabri-Hof. Er hatte ein eigenes Pferd, bearbeitee freies und brachliegendes Land. Einmal war er gerade dabei, ein Stück Brachland umzupflügen, das sich am oberen Ende der Baišleja befand (Baišleja ist ein Graben beim Kabri-Hof). Der Mann arbeitete bis zum späten Abend. Dann legte er dem Pferd Beinfesseln an, ließ es grasen und streckte sich selbst auf einem Hümpel aus. Es war zwar gefährlich, im Baišleja-Graben zu übernachten. Aber Eiklons war ein mutiger Mann, der sich vor Gespenstern und anderem Spuk nicht fürchtete und nicht einmal dem Teufel ausgewichen wäre. Er betete das Vaterunser, legte sich hin und schlief. Gegen Mitternacht hörte er auf einmal Räder rasseln und Pferde schnauben. Als er den Kopf erhob, erblickte er eine Kalesche, die von vier Rappen gezogen wurde, in die Richtung des Ķipēna-Gutes fahren. In der Kalesche saß ein feiner Herr mit großen glänzenden Knöpfen und einen Dreispitz auf dem Kopf. Der Herr guckte Eiklons schief an und machte seinem Schimmel mit der Hand etwas wie ein Zeichen. Da wurde das Pferd wie toll: mit erhobenem Schwanz raste es der Kalesche nach. Sonst war es schon recht steift und schleppte sich langsam wie ein Krebs die Furche entlang, aber jetzt hatte es Beine, dass man sich wundern musste. Da sprang auch Eiklons auf und lief seinem Pferd nach. Er kam so nahe heran, dass er es fast am Schwanz packen konnte, aber je schneller er lief, umso schneller lief auch das Pferd; je langsamer Eiklons lief, umso langsamer lief auch das Pferd, umso langsamer fuhr die Kalesche. Was war zu tun? Sollte er zusehen, dass sein Pferd davonlief? Eiklons beschloss, das Pferd zu verfolgen, solange er es nur vermochte. In zehn Sprüngen waren sie über den Ķipēna kalns bis Kazrags gekommen und weiter durch Silavs zum Pociems-Gutshof rannten sie so, dass Eiklons der Straßenschlamm um den Kopf flog. Aber wie sollst du, ein armer Mensch, einen solchen Schimmel einfangen! Die Fingerspitzen berührten zwar den Schwanz, aber zu ergreifen war er genau so wenig wie ein Irrlicht. Und nun ging die wilde Jagd am Gutshof vorbei, die Landstraße zum Pura krogs entlang. Aber da ging Eiklons die Luft aus. Er konnte nur noch langsam gehen. Da ging auch der Schimmel ganz langsam. "Warte, jetzt will ich es im Guten versuchen," dachte Eiklons. Aber sein Schimmel hörte nicht auf ihn: ruhig trabte er der Kalesche nach. Als sie in die Nähe des Jēņi-Hofes kamen, krähte der Hahn. Da verschwand die Kalesche, da verschwand auch der Schimmel: die Landstraße war leer und einsam wie in der Heiligen Nacht. Eiklons sah sich um, betrat auch den Hain, schritt rüber die Wiese — aber von seinem Schimmel war keine Spur zu finden. Weinend und klagend ging der Mann schweren Herzens nach Hause. Noch vor der Frühstückszeit erreichte er den Baišleja-Graben. Was war denn das? — Sein Schimmel lag in dem fetten Gras, satt und ruhig und an derselben Stelle, an der er ihn gestern hatte grasen lassen. Das Pferd war in der Nacht nicht weggelaufen, nur der Teufel hatte Eiklons an der Nase herumgeführt, weil er sich erdreistet hatte, so mutig zu sein und in dem Baišleja-Graben übernachten zu wollen.

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