Der Teufel als Irreführer

From Pasakas un teikas
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Comments: An einem Abend spät saß ein Mann im Wirtshaus und trank. Auf dem Heimweg gesellte sich ein großer Mann zu ihm, und nun gingen sie beide zusammen eine breite, glatte Landstraße entlang. Schließlich war der Mann so müde geworden, dass er sich nicht mehr von der Stelle bewegen konnte. Da begriff er, dass der große Kerl der Teufel selbst sein musste, und bekreuzigte sich. Fauchend und schnaubend war der Große im nächsten Augenblick verschwunden. Der Mann sah, dass er ihn in ein großes Moor geführt hatte. M. E. Bērziņš in Umurga.


Der Dezember mit seiner Kälte und einer dicken Schneeschicht war gekommen. Eines Tages nahm der Buschwächter von Meņģele, ein alter grauhaariger Mann, seine Büchse und eine Axt und begab sich in den Wald, um nach dem Rechten zu sehen. Im Walde schlug er einen schmalen, altbekannten Pfad ein. Da bemerkte er ganz frische Marderspuren im Schnee. Er folgte den Spuren und geriet tief in den Wald. Es wurde dunkel, und die Gegend kam ihm ganz fremd vor. Auf einmal hörte er schreckliches Sturmgeheul und Krachen der Bäume. In der Nähe waren schwere Schritte zu hören. Bald darauf erblickte er eine große Gestalt vor sich, die mehr einem Menschen als einem Tier glich. Der Buschwächter zitterte am ganzen Leib wie Espenlaub. Dann dachte er an seine Büchse und seine Axt und näherte sich der Riesengestalt. Der Riese ging weiter, der Buschwächter folgte ihm. Ohne ein Wort miteinander zu sprechen, marschierten sie weiter. Plötzlich blieb der Riese stehen, schaute den Buschwächter mit glühenden Augen an und befahl ihm: "Gib deine Axt her!" Bin seiner Angst gehorchte der Buschwächter auf der Stelle, aber, er wagte doch zu fragen: was er denn mit der Axt machen wolle? "Ich will den Pfad breiter machen, damit wir schneller zur Hölle kommen!“, antwortete der Riese mit einer fürchterlichen Stimme. Erst jetzt begriff der Buschwächter, dass er in die Klauen des Teufels geraten war. Sobald der Teufel die Axt bekommen hatte, befanden sie sich auf einer breiten Straße. Eine solche Straße hatte der Buschwächter noch nie in einem Wald gesehen. Gern hätte er einen Seitenpfad eingeschlagen, aber er wagte es nicht, denn der Teufel hatte ihm befohlen, ihm zu folgen. Schweigend marschierten beide vorwärts. Es fehlte nicht mehr viel an Mitternacht, als sie auf der breiten glatten Straße den Waldrand erreichten. Plötzlich krähte der Hahn, und im nächsten Augenblick war der Teufel verschwunden. Der Buschwächter befand sich im Erlendickicht, in das der Teufel ihn geführt hatte, um ihn weiter zur Hölle zu bringen. Im Schein des Mondlichts gelang es ihm, aus dem dichten Gebüsch herauszukommen. Jetzt erkannte er wieder die Gegend, in der er sich befand: er war in das kleine Moor geraten, das sich in der Nähe seines Hauses befand, welches auf einem Hügel stand. Er zögerte nicht länger, sondern eilte froh nach Hause, glücklich, den Klauen des Teufels entkommen zu sein. Als er nach Hause kam, war die Uhr eins. Seine Kleider waren zerrissen. Morgen sah er sich zusammen mit anderen Leuten in dem kleinen Moor um: überall waren die Spuren des Teufels zu sehen. Auch die Spuren, die aus dem Wald führten, fand er wieder, doch von der schönen breiten Straße war nichts zu sehen. Im Frühjahr, als der Schnee geschmolzen war, wurde auch die Axt im Moor gefunden. Seit der Zeit wird das Erlenmoor auch das Teufelsmoor genannt.

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