Der Teufel als Irreführer

From Pasakas un teikas
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Ein Fronarbeiter hatte sein Pferd auf dem Gutshof von Bērzaune zurückgelassen, um auf dem geradesten Pfad durch den Wald nach Hause zu gehen. Als er bis zu der Kalkbrennerei des Gutshofes gegangen war, trat ihm ein schwarzer Herr entgegen, der ihn bat, mit ihm in das Strīdas-Wirtshaus zu gehen (jetzt steht an der Stelle des Wirtshauses das Buschwächterhaus. Als der Mann ihm nicht folgen wollte, zog er ihn mit Gewalt mit sich fort. Er führte den Mann wenigstens dreimal um das Wirtshaus herum, ehe er ihn überredet hatte, hineinzugehen. Der Mann betrat das Wirtshaus, aber der Herr selbst blieb draußen. Als der Mann seinen Schnaps getrunken hatte, bat er die Wirtshausmagd, ihn hinauszubegleiten, allein wage er nicht, zu gehen. Aber sobald die Magd ins Haus zurückgekehrt war, war der Herr wieder zur Stelle und zog ihn zum Wirtshaus zurück. Wieder musste er die Wirtshausmagd bitten, ihn zu begleiten. Dieses Mal wollte er, dass sie ihn bis zum nahen Bach begleite, denn allein wagte er nicht, zu gehen. Als die Magd ihn verlassen hatte, hörte er, dass jemand hinter ihm pfiff. Er schaute zurück: ja, der Herr war nur noch wenige Schritte hinter ihm. Sie gingen zusammen bis zum Bach von Bērzaune. Dort musste man über einen schmalen Steg gehen. Mitten auf dem Steg packte der Herr ihn am Rücken und stieß ihn in den Bach. Sobald er herauskommen wollte, stieß der Herr ihn immer wieder zurück. Da merkte er, dass der Herr der Teufel selbst war. Der Mann begann zu schreien und versuchte sich überm Wasser zu halten. Der Herr verschwand. Da sah der Mann, dass der Melker des Ozols-Kruges ans Ufer geeilt kam. Er streckte ihm die Arme entgegen. Der Melker ergriff seine Arme und warf ihn rücklings ins tiefe Wasser zurück. Jetzt sah der Mann, dass es derselbe Herr von vorhin war. Sobald er sich irgendwo festhalten wollte, riss der Andere seine Hände los und stieß ihn ins Wasser zurück. Der Hahn schwamm bis zum Spikuli-Hof. Der Bauer war herausgekommen und hörte die Schreie. Er rief seinen Hund herbei und eilte an den Bach, um zu sehen, was dort los sei. Als er dem Mann helfen wollte, ans Ufer zu klettern, wollte jener ihm nicht glauben. Er musste sich erst bekreuzigen und bei Gott schwören, erst dann wagte er, ihm die Arme zu reichen. Er folgte dem Bauer auf den Spikuli-Hof, wo er sich ordentlich erwärmen konnte. Am nächsten Morgen begab er sich auf den Gutshof zurück. Nach Hause war er gar nicht mehr gegangen, das alles hatte sich im Herbst — in der Nacht des Katharinentages — zugetragen.

Der Mann, der das alles erlebt hatte, erzählte, dass sein Blut schon fast erstarrt gewesen sei: lange hätte er es nicht mehr ausgehalten.

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