Der Alb von unbestimmter Gestalt

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein alter Bauer — sein Name soll mit ihm ruhen. Als, die Burschen beim Spanholz bereiten und die Mägde beim Spinnen an langen Winterabenden Märchen von Zauberern, Hexen und Teufeln erzählten, wobei die Mägde so ängstlich wurden, dass sie nicht mehr zum Stall zu gehen wagten, um das Vieh zu versorgen, lachte der alte Bauer sie aus: "Warum habe ich denn keine Angst! In der dunkelsten Nacht, wenn man sich die Augen ausstechen kann, weil man nichts sieht, bin ich bereit, allein durch den tiefsten Wald oder an Friedhöfen und Korndarren vorbei zu gehen, ohne Angst zu verspüren." Darauf sagte eine der Mägde: "Das ist ja sehr gut, Bauer, dass ihr so mutig seid, aber prahlen solltet ihr nicht damit, wer weiß, wie es einem noch einmal ergehen mag!"

"Unsinn!“, antwortete der Bauer. Als die anderen Leute sich anschickten, zur Ruhe zu gehen, zog er den Rock an, um zur Korndarre zu gehen und nach dem Darrofen zu sehen. Als er hinausgeht, ist es stockdunkel; es regnet fein. Er betritt die Korndarre und macht alle Türen zu. Dann klettert er in die Grube und sieht, dass die Kohlen im Darrofen langsam verglühen. Er will abwarten, bis die Glut noch mehr abflaut, um dann die Korndarre zu verschließen, damit sie warm bleibt und das Getreide schön trocknen und morgen in aller Frühe auf der Tenne ausgebreitet werden kann. Denn am Tag müssen seine Leute auf dem Gutshof arbeiten: Sie Knechte müssen Roggen säen, die Mägde Ähren lesen. Während er in der Grube sitzt und darüber nachdenkt, nickt er ein. Auf einmal merkt er, dass sich jemand immer fester an ihn drückt. Er greift mit der Hand danach — es ist behaart und nass. Der Bauer zuckt zusammen und springt auf die Beine. Das Feuer im Darrofen ist erloschen, die Kohlen ausgeglüht: es ist ganz finster in der Korndarre geworden. Auf einmal hört er Schritte — als würde ein Pferd in der Korndarre herumgehen: kraps, kraps, kraps. Da denkt er: "Aha, das wird der alte Dumjais sein (Name des Pferdes), aber wie mag es nur hereingekommen sein, wenn alles zu ist? Es wird sicher den Korb mit Hafer gefunden haben, der ihm so gut schmeckt. In der Dunkelheit ist nichts zu sehen, aber er hört, wie das Pferd in der Korndarre herumgeht und schließlich in der Ecke aus dem Haferkorb zu fressen beginnt. Der Bauer geht auf das Pferd zu, erfasst seine Mähne und sagt: "Ach du alter Gauner, wie bist du nur hier hereingekommen?" Während er mit der einer Hand das Pferd an der Mähne festhält, streichelt er mit der anderen seinen Rücken bis zum Schwanz. Aber sobald seine Hand den Schwanz berührt hat, ist der Schwanz verschwunden, auch die Mähne ist verschwunden, er steht mit leeren, ausgebreiteten Armen da. Kein Pferd, kein Haferfresser, keine Schritte auf der Tenne — nichts. Der Bauer beginnt zu zittern. Er denkt gar nicht mehr daran, das Korndarrentor zu schließen. Mit ein paar Sätzen ist er an der Haustür und stößt sie auf, springt über die Schwelle und eilt in sein Bett.

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