Für vergrabenes Geld wird Menschenleben verlangt

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein Geizhals. Er hatte viel Geld, aber, er verstand es nicht, zu zählen.

Der Geizhals hatte einen Sohn, der bereits betagt war. Der Sohn war verheiratet und hatte ein Dutzend Kinder. Es fiel ihm sehr schwer, das Brot für so viele Esser herbeizuschaffen, aber der alte Vater half ihm nicht. Der Alte lag im Sterben und fühlte, dass er diese Welt bald verlassen musste. Da rief er seinen Sohn herbei und sagte: "Ich werde ja nun zu den Vätern gehen müssen, bestatte mich, aber einen großen Leichenschmaus brauchst du nicht auszurichten. Dann gab er dem Sohn zwölf Taler. Der Sohn nahm das Geld, bedankte sich und ging. Aber nachher begann er zu zweifeln: konnte sein Vater nur so wenig erspart haben? Er dachte lange darüber nach, kam aber zu keiner Klarheit. Als alle anderen schon längst schliefen, lag der Sohn noch immer wach und starrte mit offenen Augen in die Dunkelheit. Plötzlich knarrte das Bett des Alten. Stöhnend erhob sich der Alte von seinem Lager, zog sich an, suchte lange in seinem Strohsack herum, ergriff dann seinen Stock und verließ die Kammer. Der Sohn, der das alles beobachtet hatte, schlich ihm leise nach. Der Alte begab sich geradeswegs zum Wald. Am Waldrand blieb er vor einer hohen Tanne stehen. Der Sohn pirschte sich näher heran und kletterte auf die Tanne. Der Alte begann an ihren Wurzeln zu graben, wobei er sprach: "Wer mein Geld finden will, der muss sieben Seelen geben!" "Nein, rief der Sohn mit lauter Stimme von oben herab: "Nicht sieben Seelen, sondern sieben Leben!" "Nun, lieber Gott, es soll so bleiben, wie du es willst!“, antwortete der Alte und erhob den Blick gegen den Himmel. Am nächsten Tag starb der Alte und wurde bald begraben. Als die Trauergäste wieder gegangen waren, steckte der Sohn sieben Küken in einen Korb, nahm ein Messer mit und begab sich an die Stelle, wo die hohe Tanne stand. Dort schlachtete er alle sieben Küken und legte sie dann wieder in den Korb zurück. Dann stieß er mit dem Fuß das Moos weg und fand sogleich die Geldkatze des Alten. Hätte der Sohn nicht aufgepasst und hätte er die Bestimmung des Alten nicht geändert, dann würde das Geld noch heute in der Erde liegen, denn sieben Seelen könnte der Sohn ja nimmer herbeischaffen.

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