Für vergrabenes Geld wird Menschenleben verlangt

From Pasakas un teikas
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Auf einem kleinen Hof lebte ein sehr reicher Bauer. Er hatte einen einzigen Sohn, der gehorsam und fleißig war. Einmal wurde der Bauer krank und musste mehrere Wochen lang das Bett hüten. An einem Sonntagmorgen rief der Kranke alle Leute des Hofes herbei und sagte: "Bitte geht heute alle zur Kirche und betet für mich, ich werde allein zu Hause bleiben." Gut, alle begaben sich zur Kirche. Nur der Großknecht, ein fauler Bursche, kletterte auf den Darrboden, um lieber in der warmen Korndarre zu schlafen. Aber was geschieht? Nach einer Weile hört er, dass jemand mit polternden Schritten die Korndarre betritt. Da erblickt er den kranken Bauern, der einen ziemlich großen Topf in der Hand und einen Sack auf der Schulter trägt. Da denkt der Bursche: "Was soll das bedeuten: heute Morgen noch so krank und jetzt so munter!" Der Bauer beginnt an der Schwelle eine Grube zu scharren, so groß, dass sein Topf hineinpasst. Nachdem er den Topf in die Erde versenkt hat, beginnt er das Geld aus dem Säckchen in den Topf zu schütten, das es nur so kling und klimpert. Nachdem er das getan hat, äugt er umher und spricht dann bei sich: "Ich dachte, er würde voll werden, aber nein. Nun muss ich noch (Geld) holen!" Währen der Bauer Geld holen geht, klettert der Knecht herunter und eilt zum Topf. Die Hälfte des Geldes nimmt er für sich heraus, die andere Hälfte lässt er anstandshalber im Topf zurück. Dann kletterte er schnell auf den Darrboden zurück. Nicht lange, da kam der Kranke mit einem zweiten Geldsack herein. Als er ihn ausgeschüttet hatte, schaute er umher und sprach bei sich: "Ich dachte, jetzt würde er voll werden, aber nein; da muss ich ja noch etwas (Geld) holen!" Während er nach dem dritten Geldsack ging, nahm der Knecht wieder die Hälfte des Geldes aus dem Topf. Als der Bauer den dritten Sack herbeigeschleppt und ausgeschüttet hatte, sagte er: "Jetzt ist es genug. Wer an dieser Stelle drei Menschenleben opfern wird, der soll das Geld bekommen und verbrauchen dürfen!" Der Knecht, der auf dem Darrboden hockte, sagte darauf: "Das Leben von drei Sperlingen genügt!" "Nein, Herr, drei Menschenleben!" beharrte der Kranke "Unsinn, drei Spatzenleben genügen!" "Nun, dann soll es auch so bleiben, Herr, wie du es sagst: drei Spatzenleben!" Nachdem der Kranke zugestimmt hatte, schüttete er die Grube zu und begab sich eilig ins Haus, wo er sich in sein Bett legte. Der Knecht kletterte vom Darrboden herunter und wollte nach dem Topf suchen, aber, er konnte suchen soviel er nur wollte, er fand nicht die geringste Spur von der Stelle, an der er vergraben worden war: die Tenne war überall gleich fest und glatt. Er hatte nur das Geld, das er aus dem Topf genommen hatte. Bald darauf kamen auch die Kirchgänger nach Hause, aber sie fanden den Bauer nicht mehr am Leben: er war soeben erloschen. Der Sohn hatte doppelten Kummer: erstens war der Vater so plötzlich verschieden und dann — zweitens — hatte er keine Zeit mehr gehabt, sich über dessen Geld auszusprechen: dass er welches gehabt hatte, das wusste er, aber er wusste nicht, wo er es verwahrte. Er suchte überall nach dem Geld, aber vergeblich: er fand nur vier Taler. Nach dem Tode des Vaters war der junge Bauer in große Armut geraten, denn anderen Reichtum hatte der Vater nicht besessen, und selbst konnte er nicht so schnell zum Wohlstand kommen. Einmal klagte der junge Bauer sein Leid seinem Knecht (demselben, der seines Vaters Geld genommen hatte). Da scherzte der Knecht: "Sonderbar! Dein Vater soll Geld gehabt haben? Aber wo denn?" "Das ist es ja, dass ich nicht weiß — wo. Ich habe nur vier Taler gefunden, die habe ich für die Beerdigung ausgegeben, und nun bin ich ganz ohne Geld." "Ach, Brüderchen, wenn es so ist, dann will ich dir helfen, schaffe nur drei Spatzen herbei." Mit den drei Spatzen begaben sie sich in die Korndarre. Der Knecht nahm die Spatzen, öffnete die Tür und sprach: "Nimm die drei Spatzen für das Geld des alten Bauern!" In demselben Augenblick piepsten die Spatzen noch einmal kurz, dann waren sie tot. Wer sie erwürgt hatte — wer soll es wissen. Da begannen sie an der Schwelle ein wenig zu graben und fanden einen großen Topf, der beinahe voll mit Dukaten war. Der Sohn holte das Geld heraus und versprach in seiner Freude einen Teil davon auch dem Knecht. Aber nun erzählte der Knecht ihm alles, was er damals erlebt hatte, und wollte keinen Groschen mehr haben.

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