Für vergrabenes Geld wird Menschenleben verlangt

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein alter Mann mit seinem Sohn auf dieser Welt. Der Sohn arbeitete und gab alles Geld, das er verdiente, seinem Vater. Der Alte aber war sehr geizig und versteckte das Geld. Der Sohn wusste jedoch, dass der Vater viel Geld erspart hatte. Der Vater wurde schwach und krank, aber er sprach nie mit seinem Sohn über das ersparte Geld. Eines Tages sagte der Sohn zu seinem Vater: "Vater, kanntest du, mir etwas Geld geben? Ich möchte mir ein Paar Stiefel kaufen, um sie sonntags beim Kirchgang anzuziehen, denn alle Nachbarn lachen über mich, da ich mein Leben lang gearbeitet habe und nun nicht einmal so viel Geld habe, um mir ein Paar Stiefel zu kaufen." Der Alte hörte sich an, was der Sohn ihm zu sagen hatte, und antwortete dann: "Ich habe keine Kopeke Geld", aber er hatte viel Goldgeld. Danach fragte der Sohn seinen Vater nicht mehr nach dem Geld; er arbeitete und verdiente und gab alles Geld seinem Vater, passte aber auf, wo der Vater das Geld verstecken würde. An einem Sommertag beobachtete der Sohn, dass der Vater einen Spaziergang machte und zu der großen Eiche gegangen war, die am Feldrain stand. Der Alte beschloss, das Geld unter der Eiche zu vergraben. Der Vater kehrte auf dem Hof zurück. Als er sah, dass sein Sohn nicht zu Hause war, nahm er gleich einen Spaten und einen großen Beutel Goldgeld und machte sich auf den Weg, um das Geld unter der Eiche zu begraben. Der Sohn aber war ihm vorausgeeilt und auf die Eiche geklettert, um unbemerkt zuschauen zu können. Der Alte schaufelte unter der Eiche eine Grube und sprach bei sich: "Wer, hundert Menschenköpfe abschlagen wird, der mag das Geld finden!" Der Sohn hörte, was sein Vater sprach und antwortete: "Nicht hundert Menschenköpfe, sondern hundert Fischköpfe." Der Alte widersprach: "Menschenköpfe, nicht Fischköpfe!" Da schrie der Sohn: "Fischköpfe, Fischköpfe, nicht Menschenköpfe!" Da wurde der Alte ärgerlich und gab nach: "Dann eben Fischköpfe!" Mit diesen Worten vergrub der Alte sein Geld unter der Eiche und kehrte nach Hause zurück. Der Sohn kletterte herunter und begann an der Stelle zu graben, an der der Vater das Geld versteckt hatte. Aber soviel er auch graben mochte, er fand es nicht. Was sollte der Sohn nun tun. Er ging nach Hause und sagte seinem Vater nichts von der Sache. Auch der Vater sprach nicht darüber. Es vergingen drei Tage. Der Alte erkrankte schwer und lag im Sterben. Der Sohn kam an sein Lager und sagte: "Vater, du wirst diese Welt bald verlassen müssen. Sag mir, deinem Sohn, ob du wenigstens so viel Geld hast, dass ich dich bestatten kann?" Aber, der Vater antwortete: "Ich habe keine Kopeke." Mit diesen Worten verschied er. Was sollte der Sohn nun tun? Er hatte kein Geld, um seinen Vater zu bestatten. Da dachte er: "Ich will ins Dorf gehen, hundert Fische kaufen und allen mit dem Messer die Köpfe abschneiden." Gedacht, getan. Er ging ins Dorf, kaufte hundert Fische, brachte sie nach Hause, nahm ein Messer und schnitt allen Fischen die Köpfe ab. Dann nahm er einen Spaten, begab sich zu der Eiche und begann zu graben. Sogleich stieß er auf den Beutel mit Goldgeld, den sein Vater vergraben hatte. Nun bestattete er seinen Vater und lebte fortan als reicher Mann. Er nahm sich eine Frau und lebt noch heute in Glück und Freude, wenn er inzwischen nicht gestorben ist.

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