Geld in Gestalt von Feuer

From Pasakas un teikas
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Einmal habe ich folgendes Erlebnis gehabt; es hat sich vor etwa dreißig Jahren zugetragen, damals mag ich schon über vierzig gewesen sein. In einer dunklen Herbstnacht ging ich schwer betrunken — vom Lobērģi-Krug nach Hause. Die Nacht war finster, es regnete. Ich ging geradeswegs durch den Dampars. Am Rande des Moores blieb ich stehen, stopfte meine Pfeife und wollte sie anzünden, aber soviel ich auch in meinen Taschen suchen mochte, ich fand keine Streichhölzer "Ach," dachte ich, wahrscheinlich habe ich sie im Wirtshaus vergessen. Als ich eine Weile durch das Moor gegangen war, erblickte ich ein loderndes Feuer. Jetzt konnte ich endlich meine Pfeife anzünden. Ich trat näher und wunderte mich: neben dem Feuer saß ein altes Weib, das sich in ein graues Schultertuch hüllte. Ich bot ihr einen guten Abend und fragte sie: "Was sitzt du denn hier, Mütterchen, im Regen? Hast du dich verirrt?" Aber sie gab mir keine Antwort. "Du bist mir ja eine alte Schelmin," sprach ich, "schürst im Regen Feuer und bist stumm wie ein Fisch!" Aber die Alte sagte auch jetzt nichts darauf: stumm war sie, stumm blieb sie. Da trat ich an das Feuer, hob eine Kohle auf und steckte sie in die Pfeife. Die Alte saß ruhig da, starrte in das Feuer und zuckte nicht einmal mit der Wimper. Da stieß er mit dem Fuß gegen die Brust der Alten: sie fiel auf den Rücken. Ich trat das Feuer aus und machte mich davon. Ich hatte erst einige Schritte zurückgelegt, als meine Pfeife erlosch. Da dachte ich: ich muss zurückgehen. Ich nahm die Pfeife aus dem Mund und wunderte mich: auf der Pfeife lag ein alter Schwedentaler. Ich kehrte an die Feuerstelle zurück. Aber weder von dem Feuer noch von der Alten war etwas zu sehen. Nur die Erde war mit Talern bestreut.

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