Das Geld zeigt sich in der Gestalt eines Menschen

From Pasakas un teikas
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Durch die Gāgas-Wiesen des Skulte-Gutshofes fließt der Bach Arse. An einer tiefen Stelle des Baches soll eine große Menge Silbergeld liegen, das alle hundert Jahre einmal in der Gestalt eines jungen Mädchens aus dem Wasser hervorkommt.

Einmal waren die Fronarbeiter gerade dabei, die Gutswiesen zu mähen. In der Mittagszeit legten sie ihre Sensen beiseite und begaben sich an das Ufer des Baches, um dort ihre Mahlzeit zu halten. Plötzlich — es war gerade zwölf Uhr mittags — begann das Wasser zu rauschen und blasen zu werfen: aus der Tiefe tauchte eine schlanke schöne Mädchengestalt empor. Ihr Gesicht und ihr Leib schimmerten wie Silber. Das Schwappen des Wassers hatte einen metallischen Klang. Das Mädchen streckte seine Arme nach den Arbeitern aus und fragte mit einer klaren Stimme: "Wer will mich heiraten? Wer will mich heiraten?" Die Fronarbeiter waren vor Angst wie erstarrt. Niemand gab ihr eine Antwort. Nachdem sie noch eine Weile ihre Arme nach den Männern ausgestreckt gehalten hatte, rief sie mit schmerzvoller, klagender Stimme aus: "Hundert Jahre hab ich gelegen, hundert Jahre muss ich noch liegen!" Gleich darauf versank die silbrig schimmernde Gestalt blitzschnell in die Tiefe, wobei ein metallischer Klang ertönte. Ein Mann, der versprochen hätte, das Mädchen zu heiraten, wäre in Besitz eines großen Reichtums gelangt: das Mädchen hätt sich vor seinen Augen in einen Geldhaufen verwandelt.

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