Das Geld zeigt sich in der Gestalt eines Menschen

From Pasakas un teikas
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Der alte Andrs pflügte den Acker auf dem Cepļa kalns. Plötzlich trat eine schöne und prächtig gekleidete Dame aus dem Gebüsch hervor. Sie ging auf Andrs zu und bat ihn: "Lieber Alter, berühre mich mit einem Finger!" Andrs aber erschrak und antwortete zitternd: "Aber gnädige Großfrau, wie sollte ich, ein einfacher Bauer, eine so hohe Frau mit meiner Hand anfassen dürfen?" "Aber lieber Alter, ich bitte dich inständig: willst du mich nicht mit der Hand berühren, so berühre mich wenigstens mit dem Ende des Peitschenstieles!" Andrs bekreuzigte sich vor Angst und begann wieder zu pflügen. Die Dame ging fast den halben Tag hinter ihm her und bat ihn immer wieder, sie doch zu berühren. Aber der verängstigte Andrs würdigte sie keines Blickes. Da hörte er sie hinter seinem Rücken murmeln: "Oh weh, oh weh! Jetzt ist meine Zeit um, ich muss in den Schoß der Erde zurückeilen. Hundert Jahre habe ich schon gelegen, nun werde ich nochmals hundert Jahre in der Erde liegen müssen. Vielleicht wird mich dann jemand erlösen." Andrs wagte, ein wenig zurückzuschauen: da sah er, dass die Dame, vom Nebel umhüllt, über das Gebüsch hinweg zu der alten Eiche davon schwebte. An der Eiche verschwand die Gestalt. Da sah Andrs, dass die Dame sich in einen Geldhaufen verwandelte. Da stürzte sich Andrs auf das Geld und griff mit beiden Händen danach, aber das Geld versank in der Erde. Nur zwei Geldstücke blieben auf der Erde liegen. Andrs hat sie aufbewahrt und pflegt sie seinen Zuhörern zu zeigen, wenn er ihnen die Geschichte von damals erzählt.

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