Für Geld wird ein Stier versprochen

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein sehr mutiger Bauer. Er ging nie ohne Schwert und fürchtete sich nicht einmal vor dem Teufel. Ein armes Knäblein diente bei ihm als Hirte. Der Knabe bekam zu hören, dass seine Mutter aus der Hütte, in der sie wohnte, hinausgeworfen worden sei, weil sie die Miete dafür nicht bezahlen konnte. Der Knabe hütete sein Vieh und dachte sehr betrübt darüber nach. Plötzlich gesellte sich ein Herr zu ihm und fragte ihn: "Warum bist du denn so betrübt?" Da antwortete der Hirte:

"Wie sollte ich denn nicht betrübt sein: meine Mutter muss unter freiem Himmel leben, und ich bin nicht einmal in der Lage ihr zu helfen."

"Was willst du mir geben, wenn ich dir so viel Geld verschaffe, dass es sowohl für dich als auch für deine Mutter ausreichen würde?"

"Was verlangst du denn dafür? Ich besitze ja nichts" antwortete der Hirtenknabe.

"So gib mir dein weißes Hündchen!"

"Nein, das kann ich nicht tun, der Hund gehört nicht mir, sondern meinem Bauer. Würde ich ohne ihn nach Hause kommen, so würde der Bauer mich halb tot prügeln und sicher auch noch von seinem Hof verjagen!"

"Aber wenn ich dir für den Hund Geld gebe, so kannst du ja deinem Bauer sagen, dass das Hündchen weggelaufen sei."

"Nein, lügen werde ich nicht!"

"Nun, was kannst du mir sonst noch geben?"

"Ich besitze nichts weiter als nur ein Fünfkopekenstück, aber dasselbe habe ich zu Hause."

"So bring es mir in der nächsten Nacht hierher: ich werde hier an derselben Stelle auf dich warten und dir das Geld übergeben."

Der Junge trieb am Abend das Vieh heim, verzehrte sein Abendbrot, nahm das Fünfkopekenstück und begab sich in den Wald. Der Herr wartete bereits auf ihn. Er führte den Knaben an einen hohlen Baum, nahm sein Fünfkopekenstück an sich und gab ihm dafür so viel Silber und Gold, dass der Knabe es kaum tragen konnte. Der Knabe schleppte das Geld nach Hause, schüttete es in seine Truhe und schloss die Truhe ab. Nur ein einziges Goldstück behielt er bei sich und schob es unter das Kopfkissen. Am nächsten Morgen betrachtete der Junge sein Goldstück: es war heil und lag noch da. Später erzählte er auch dem Bauer, wie er zu dem Geld gekommen war. Beide begaben sich an die Truhe und schlössen sie auf. Aber in der Truhe befand sich kein einziger Groschen mehr. Der Junge trieb wieder das Vieh aus. Aber sobald er in den Wald kam, war auch der Herr sogleich zur Stelle.

"Gib mir mein Goldstück wieder, dass du mir gestohlen hast!"

Diesmal konnte der Junge den Herrn nicht sehen, aber er erkannte seine Stimme. Er hatte jedoch keine Lust, das Goldstück zurückzugeben, und nun, begann der Herr den Jungen zu quälen und zu plagen. Schließlich war er ganz matt und dünn geworden, so, als hätte man ihn durch die Wand gezogen. Nichts zu machen, er musste das Goldstück wieder hergeben. Aber auch danach ließ der Herr den Jungen nicht in Frieden: er erschien dem Jungen im Traum und machte ihm Vorwürfe: warum habe er das Soldstück nicht sogleich wieder zurückgegeben. Was nun? — Der Bauer brachte den Jungen zum Pfarrer. Der Pfarrer segnete ihn und sagte, dass die Nachkommen des Jungen wieder das Geld bekommen würden, welches der Herr ihm gegeben hatte, denn der Herr seinerseits habe ihm ja sein Fünfkopekenstück nicht wiedergegeben.

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