Das Geld muss noch 100 Jahre in der Erde liegen

From Pasakas un teikas
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Etwa eine Werst nördlich des Paugas- und des Velna kalns befinden sich auf dem Grund des L.-Gutes große und tiefe Gruben. Diese Gruben haben vier Schneider, die nach Geld gegraben haben, geschaufelt. Einem der Schneider war ein kleines Männchen im Traum erschienen: Er (der Schneider) solle an die und die Tanne in der Nähe des L.-Gutes gehen und dort zu graben beginnen, weil an der Stelle ein Klafter tief in der Erde eine Geldtruhe liege. Er solle drei Kameraden mitnehmen, denn allein könne er die Truhe aus der Erde nicht herausholen. Beim Graben sollten sie aber kein Wort sprechen und auch nicht zurückblicken.

Gesagt, getan. Der Schneider nahm noch drei andere Schneider mit. Gleich am nächsten Abend begannen sie zu graben. Und wahrhaftig: Sie stießen auf eine große Geldtruhe. Aber plötzlich kamen von allen Seiten verschiedene Gespenster herbeigeeilt: Bellende Hunde, Katzen, Herren mit blanken Knöpfen, schwarze Kaleschen mit 12 Pferden davor und noch andere. Die Gespenster machten so höllischen Lärm, dass die Goldgräber fast taub wurden. Dennoch beachteten die Geldgräber die Lärmenden kaum und mühten sich nur ab, um die Geldtruhe aus der Erde zu holen. Als sie nun die Truhe endlich herausgeholt hatten, dachten sie: "Jetzt gehört sie uns!" Und nun begann der eine zu jubeln, die anderen fingen an, die Katzen und die Hunde, die sich anschickten, sich an ihre Beine zu klammern, zu verprügeln. Während sie sie noch zuschlugen, versank die Geldtruhe mit Getöse und dröhnend in die Erde, wobei sie noch ausrief: "Hundert Jahre habe ich hier schon gelegen, nun muss ich wieder hundert Jahre liegen!"

Es wird auch erzählt, dass ein anderer Mann sich nach den Befehlen des Alten richtete und deshalb an jener Stelle einen mit Silber- und Golddukaten gefüllten Geldtopf ausgraben konnte. Wieder andere erzählen, dass die Geldtruhe sich ein wenig entfernt von den tiefen Gruben unter einem großen bemoosten Stein befinde. Einmal habe ein Junge, der dort Kühe hütete, auf einem Hümpel neben jenem Stein gesessen und gesungen. Auf einmal rollte der große Stein zur Seite und ein schwarzer Herr kam auf der Geldtruhe angeritten, so dass die Erde dröhnte. Er spähte nach dem fettesten Rind und sagte: "Gibst du, Hirtenbub, mir das Rind, dann wirst du von mir diese Geldtruhe bekommen!" Zuerst war der Junge fast bereit, das geforderte Rind zu überreichen. Als der schwarze Herr jedoch von der Truhe kletterte, das Rind bei den Hörnern packte und es zu dem Stein zerren wollte, überlegte es sich der Junge anders und hetzte seine Hunde auf den Schwarzen. Sogleich sprang der Schwarze auf die Truhe, verschwand unter den Stein und rief: "Hundert Jahre habe ich hier gelegen, nun muss ich wieder hundert Jahre liegen!"

Ein anderer Erzähler berichtet, dass in derselben Gegend sich der alten Ilse in einem Moor zwei junge Frauen gezeigt hätten, die sie baten, sie entweder mit dem Finger zu berühren oder wenigstens ein Stöckchen nach ihnen zu werfen. Aber Ilse tat es nicht. Da begannen die jungen Frauen zu weinen. Gleich darauf krochen sie in die Erde, indem sie sangen: "Hundert Jahre haben wir gelegen, hundert Jahre werden wir noch liegen müssen!" Hätte die alte Ilse sie berührt, so hätten sie sich verwandelt: Die einen in einen Topf, die andere in Geld.

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