Geldgräber werden gestört

From Pasakas un teikas
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Drei Männer hatten beschlossen nach Geld zu graben. Damals befand sich noch in Lubāna eine kleine Holzkirche und auch ein aus Holz erbautes Wirtshaus. Die drei Männer hatten von anderen Leuten gehört, dass an der Schwelle des Wirtshauses Geld vergraben worden sei. Das wollten sie nun ausgraben. In einer dunklen Nacht machten sie sich auf den Weg und begannen zu graben. Schon nach kurzer Zeit erblickten sie einen Geldbehälter. Da sie Angst hatten, weil Reisende, die in dem Wirtshaus schliefen, bemerken könnten, dass sie das Geld herausholten, wollte einer von ihnen die Tür schließen, die wahrscheinlich der großen Hitze wegen offen gelassen worden war. Obwohl der Mann die Tür ganz leise zusperrte, entstand ein solcher Lärm dabei, als hätte ein gewaltiger Sturm die Tür zugeschlagen. Die drei Geldgräber erschraken sehr, denn sie glaubten, dass jetzt gewiss jemand erwachen und herauskommen würde, um zu sehen, was geschehen sei. Als jedoch niemand aus dem Wirtshaus herauskam, weil wahrscheinlich niemand den Krach gehört hatte, beruhigten sich die Männer wieder und sahen sich nach dem Geldtopf um, aber er war verschwunden: Es war keine Spur mehr von ihm zu sehen. Auch der alte Gemeindelehrer von Lubāna, Štams, hatte davon gehört, dass auf der Landstraße gegenüber dem alten Wirtshaus Geld vergraben worden sei. Da auch er bestrebt war an das Geld zu kommen, hatte er gut zehn Helfer angeheuert, denn er selbst war lahm und konnte kaum graben. In der verabredeten Nacht kamen sie nun zusammen und Štams hatte auch Schnaps mitgebracht. Um sich Mut zu machen, trank jeder ein Gläschen, dann aber auch noch ein zweites und ein drittes. Schließlich gingen sie an die Arbeit und begannen — wie gesagt — mitten auf der Landstraße zu graben. Nachdem sie eine ganze Weile gegraben hatten, kam etwas wie ein Sargdeckel zum Vorschein. Dem Klang nach konnte man glauben, dass der Sarg mit Geld gefüllt sein müsste. Plötzlich hörten sie, dass jemand vom Gutshof her über die Brücke gefahren kam. Sie wollten den Geldsarg schnell aus der Erde zerren, aber er war so schwer, dass sie ihn nicht heben konnten. Deshalb beschlossen sie in aller Eile, schleunigst die Flucht zu ergreifen und — sollte der heranfahrende Herr an der ausgegrabenen Stelle verunglücken — nicht mehr zurückzukehren. Sollte er jedoch heil darüber- oder vorbeikommen, wollten sie zurückkehren und das Geld hervorholen. Gesagt, getan: Sie flüchteten und auch der Urheber der Sache, der lahme Štams, blieb nicht zurück. Als sie sich ein gutes Stück von der Stelle entfernt hatten, blieben sie stehen, um zu horchen, wie es dem Fahrer ergehen werde. Sie horchten und horchten. Aber der Herr, der an die Grube gefahren war, hielt an und sie hörten weder Räderrattern noch, dass er in die Grube gefallen wäre. Es waren auch keine Schreie zu vernehmen. Nachdem sie eine ganze Weile vergeblich gelauscht hatten, kehrten sie an die Stelle zurück, um zu sehen, was dort geschehen war, aber nun konnten sie vom Geldsarg keine Spur mehr entdecken — er war verschwunden. Da blieb ihnen nichts anderes übrig, als die Grube wieder zuzuschütten und mit leeren Händen heimzugehen.

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