Geldgräber werden gestört

From Pasakas un teikas
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Es lebten einmal ein Bruder und seine Schwester; sie lebten in großer Armut. Obwohl sie beide von früh bis spät arbeiteten, konnten sie nicht mehr verdienen als für Hering und Kartoffeln. Einmal erfuhren sie von anderen Leuten, dass nicht weit von ihrem Wohnort sich ein Berg befinde, auf dem Geld vergraben worden sei. Die Geschwister begannen darüber nachzudenken, wie sie es bekommen könnten. Der Bruder ging um den Berg herum und überlegte, wo der Schatz sich befinden könnte. Dabei wurde er sehr müde und setzte sich auf einen Stein; er hatte aber gar nicht bemerkt, dass es schon dunkel wurde. Plötzlich bemerkte der Bruder, dass vor ihm ein kleines altes Männchen stand, das einen langen Bart hatte. Der Alte begann zu reden: "Ich weiß, guter Mensch, dass du das Geld finden möchtest, das einmal mir gehört hat. Mir stahl es die dreiköpfige Schlange, die jetzt neben dem Geld liegt und es Tag und Nacht bewacht. Aber du kannst es finden. Kehre in der Johannisnacht auf den Berg zurück und warte, bis der Farn zu blühen beginnt. Pflücke dann die Farnblüte ab und wirf sie in die Luft: Auf diese Weise wirst du die Stelle finden, an der das Geld vergraben worden ist." Da wartete der Bruder auf den Johannistag. Der Johannistag nahte. Da wartete er auf die Nacht. Als es dämmerte, ging er auf den Berg, setzte sich auf denselben Stein und wartete auf das Aufblühen der Farnblüte. Gerade um Mitternacht brachte der Farn eine schöne Blüte hervor. Der Bruder pflückte die Blüte und warf sie in die Luft. Er fand sogleich die Stelle, an der das Geld vergraben worden war. Da begann der Bruder mit der Arbeit. Er grub so lange, bis er auf einen Stein stieß. Er packte den Stein mit den Händen und wollte ihn herausholen. Da erhob sich ein großer Sturm, die Erde erzitterte, die Bäume brachen ab und viele schwarze Habichte kreisten in der Luft und warfen mit feurigen Steinen um sich. Da hielt der Bruder inne, entfernte sich von der Stelle und bekreuzigte sich. Alles wurde wieder still. Aber sobald der Bruder wieder zum Spaten griff und erneut zu graben begann, erhob sich ein noch gewaltigerer Sturm, der von Donnerschlägen begleitet wurde. Da erschrak er erneut und entfernte sich noch weiter, wobei er sich bekreuzigte. Wieder wurde alles ruhig, und nun erschien derselbe alte Mann mit dem großen Bart und sprach zu ihm: "Du sollst wissen, guter Mann, dass die dreiköpfige Schlange nicht zulassen will, dass du das Geld nimmst. Um an das Geld herankommen zu können, musst du nun drei Hähne kaufen und sie hier an dieser Stelle schlachten. Mit ihrem Blut musst du den Stein beträufeln. Dann sollst du dreimal ausspeien und die Hähne über deine linke Schulter werfen. Während die Schlange das Fleisch fressen wird, wirst du das vergrabene Geld an dich nehmen können." Nachdem der Alte so gesprochen hatte, verschwand er. Der Bruder aber ging nach Hause, verkaufte das letzte Widderchen und kaufte für den Erlös drei Hähne. Dann begab er sich auf den Berg zurück und ging zu der Stelle, an der das Geld vergraben war. Dort schlachtete er die drei Tiere und beträufelte mit ihrem Blut den Stein. Dann spie er dreimal aus, warf die Hähne über seine linke Schulter und begann zu graben. Es war alles ruhig. Der Bruder grub und grub und schließlich hatte er einen Kessel voll Geld ausgegraben. Der Bruder ergriff ihn und eilte nach Hause. Unterwegs begegnete er dem alten Mann. Da begann der Alte zu reden: "Lieber Mann, ich danke dir, dass du mein Geld ausgegraben hast und es mir nun zurückgeben wirst." Der Alte wollte nach dem Kessel greifen, aber der Bruder wollte ihn ihm nicht überlassen. Er stellte den Geldkessel auf die Erde und begann den Alten zu schlagen. Dieser fiel leblos zu Boden und war gleich darauf verschwunden. Da sah der Bruder, dass auch der Geldkessel unauffindbar war. Da begann er wieder zu graben. Aber soviel er auch graben mochte, er hatte kein Glück mehr. Vielleicht sucht er noch heute an derselben Stelle (nach Geld).

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