Geldgräber werden gestört

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal ein armer Mann. Er hatte kein eigenes Land und diente als Knecht beim Bauern. Einmal schlief er. Da merkte er, dass jemand ihn wecken wollte, indem er sagte: "Steh auf, deine Laima (die Glücksgöttin) ist gekommen!" Als er den Kopf hob, erblickte er vor seinem Bett eine weiß gekleidete Frau: "Geh zu der Kirche von Istalsna. Dort liegt Geld vergraben. Grabe es aus, dann wirst du bis zu deinem Tode genug haben." Nachdem die Frau so gesprochen hatte, verschwand sie. Am nächsten Morgen erzählte er anderen Leuten, was ihm widerfahren sei. Aber die Leute lachten ihn aus und sagten: "Du kannst ja sonst 'was träumen!" In der nächsten Nacht wurde er wieder geweckt: "Steh auf, deine Laima ist gekommen!" Als er seinen Kopf hob, erblickte er wieder das Weib an seinem Bett. "Geh zur Kirche von Istalsna, dort liegt altes Geld vergraben! Wenn du es ausgräbst, wirst du bis zu deinem Tod genug haben!" Nachdem die Frau so gesprochen hatte, verschwand sie wieder. Am anderen Morgen erzählte er sein Erlebnis anderen Leuten. Aber die lachten nur und sagten: "Du scheinst den ganzen Tag nur ans Geld zu denken, deshalb findest du nachts keine Ruhe, da du nur das Geld im Sinn hast!" Aber auch in der dritten Nacht wurde er wieder geweckt! "Steh auf, deine Laima ist gekommen! Geh zur Kirche von Istalsna, dort liegt altes Geld vergraben. Gräbst du es aus, so wirst du bis zu deinem Tod Geld genug haben!" Nachdem das Weib so gesprochen hatte, verschwand es wieder. Am nächsten Morgen stand der Mann auf, sagte den anderen kein Wort mehr, begab sich zum Herrn und erzählte ihm, was er erlebt hatte. Der Herr sagte darauf: "Gut. Ich will dir zwei Knechte mitgeben, dann werdet ihr das Geld schneller ausgraben können!" Gut, der Herr gab ihm zwei Knechte mit. In der vierten Nacht nahmen sie Spaten mit und machten sich auf den Weg, nach dem Geld zu graben. Alte Leute erzählen, dass man beim Geldausgraben keine bösen oder schlechten Worte sagen darf, da das Geld sonst sogleich in die Erde versinke. Die Männer begaben sich an den Ort, den das Weib genannt hatte, und begannen zu graben. Sie gruben und schaufelten; da kam plötzlich, wer weiß woher, ein roter Hund herbeigelaufen und setzte sich auf den Grubenrand. Dort saß er nun und ließ sie nicht weitergraben. Nachdem der Hund eine Weile gesessen hatte, lief er davon. Da begannen sie wieder zu graben. Sie gruben und gruben, da kam plötzlich — wer weiß woher — ein Wolf herbeigelaufen und setzte sich auf den Grubenrand. Nachdem er eine Weile gesessen hatte, lief er ebenfalls davon. Die Männer gruben weiter. Sie gruben und gruben - da kam der Deckel der Truhe schon zum Vorschein. Da – wer weiß woher – kam ein Bär herbeigelaufen und setzte sich auf den Grubenrand. Dort saß er nun und ließ sie nicht weitergraben. Da wurde es ihnen etwas sonderbar zumute. Sie ergriffen ihre Spaten und stürzten sich auf den Bären. Aber der Bär ergriff einen Stein und schleuderte ihn nach einem der Männer. Da schrie der Mann auf: "Teufel, jetzt hat er mir den Rücken zerschmettert!" Die Erde erdröhnte, das Geld versank in die Tiefe, und der Bär verschwand.

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