Geldgräber werden gestört

From Pasakas un teikas
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Es ist allgemein bekannt, dass man in der Johannisnacht Geld finden kann. Die Hüter des Geldes versammeln sich in der Johannisnacht in Badestuben, wo sie miteinander die Möglichkeiten der Geld Verwahrung besprechen und sich ein Dampfbad gönnen. Wenn man sie belauschen und auf diese Weise erfahren will, wo verborgenes Geld liegt, muss man sich das Kummet des Ackerpferdes um den Hals legen und sich, auf dem Badestubenboden verstecken: dann hört man alles und erfährt, wo Geld zu finden ist. Einmal beschlossen zwei Burschen sich auf dem Boden zu verstecken. Einer von ihnen legte sich das Kummet um den Hals, drückte das Ohr an die Abzugsluke und horchte. Den, der das Kummet um den Hals hatte, konnten diejenigen, die sich in der Badestube befanden, nicht sehen. Er horcht und horcht. Gegen Mitternacht versammeln sich die Wächter des Geldes in der Badestube, nehmen ein Dampfbad und beginnen dann über ihre Angelegenheiten zu reden: Wer an einer sicheren, wer an einer unsicheren Stelle sein Geld verwahrt. Zwei beschlossen, ihr Geld von einem Ort an einen anderen zu schaffen. Der Bursche, der sie belauschte, dachte bei sich: "Ich werde mich allein auf den Weg machen und ihnen das Geld, das sie an einen anderen Ort tragen möchten, unterwegs wegnehmen." Ohne ein Wort seinem Kameraden, der auf dem Dach der Badestube saß, zu sagen, stieg er hinab und folgte den beiden Geldwächtern, die ihr Geld an einen anderen Ort bringen wollten. Die Wächter begaben sich zu der Stelle, an dem es verborgen war, nahmen den Geldschrein und machten sich mit ihm auf den Weg an einen anderen Ort. Da kam der Bursche herbeigelaufen, packte den Geldschrein und wollte ihn den Trägern entreißen, vermochte es jedoch nicht. Die beiden Anderen waren stärker als er und zogen ihn mit sich fort. Da wollte der Bursche sich losreißen und mit leeren Händen nach Hause fliehen, aber auch das vermochte er nicht: Die Geldwächter zogen ihn mit. In seiner Angst begann er zu schreien: "Liebe Leute, rettet mich, rettet mich!" Die Sänger der Līgo-Lieder, die in der Johannisnacht unterwegs sind, hörten sein Schreien und eilten ihm zu Hilfe. Da ließen die Geldwächter den Burschen los, andernfalls hätten sie ihn erwürgt. Hätte er seinem Freund gesagt, was er gehört hatte, so wäre es ihnen mit vereinten Kräften gelungen, den Wächtern das Geld zu entreißen, aber wer für sich allein alles haben will, der kann glücklich sein, wenn er mit dem Leben davonkommt.

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