Das Geld bekommt derjenige, für den es bestimmt ist

From Pasakas un teikas
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Ein Bauer aus Lubāna war an einem Samstagnachmittag ins Wirtshaus gegangen. Obwohl er beschlossen hatte, recht bald wieder heimzugehen, hielten ihn Freunde auf, und so war es recht spät geworden. Schließlich wurde er ganz unruhig, verabschiedete sich von seinen Freunden und machte sich auf den Heimweg. Als er das Wirtshaus verließ, kam ihm ein schwarzgekleideter Herr entgegen und fragte ihn, was er so lange im Wirtshaus getan habe. Er habe auf ihn gewartet. Darüber war der Bauer ganz erschrocken, denn er hatte sich mit keinem Menschen verabredet. Als der fremde Herr ihn jedoch freundlich fragte: "Möchtest du nicht viel Geld bekommen?" antwortete er: "Warum denn nicht?" Darauf forderte der fremde Herr ihn auf, ihm zu folgen. Das Wirtshaus war nicht weit. So waren sie bald in die Höhe des Nachbarhofes gekommen, der dem Bauern gehörte. Da führte der Herr ihn an eine alte Eiche. Dort erblickte er einen großen Geldhaufen und der Fremde sagte, er könne davon nehmen, soviel er wolle. Da der Bauer nichts bei sich hatte, um das Geld tragen zu können, bat er den Begleiter, ihn erst heimgehen zu lassen, was der Herr ihm gern erlaubte. Der Bauer ging nach Hause, holte aus dem Vorratshaus einen Getreidesack und kehrte dann zu dem fremden Herrn zurück, der immer noch an derselben Stelle stand und auf ihn wartete. Auf seine Aufforderung hin schüttete der Bauer den Sack voll. Der fremde Herr hob ihm diesen auf den Rücken und begleitete ihn bis zum Hoftor. Er ging aber nicht hinein, sondern wartete vor dem Tor, bis der Bauer den Sack geleert haben würde. Von dem Herrn begleitet begab sich der Bauer noch ein zweites und ein drittes Mal an die Eiche und brachte jedes Mal einen vollen Sack heim. Während der fremde Herr neben ihm her ging, vermochte er den Sack ganz leicht tragen, aber als der Fremde vor dem Tor stehen blieb, konnte er den Sack kaum noch weiterschleppen. Hach dem dritten Mal fragte der Herr, ob er noch einmal gehen wolle, aber der Bauer antwortete, dass er jetzt genug habe, und da verschwand der fremde Herr. Kurze Zeit darauf nahmen der Bauer und seine Frau am heiligen Abendmahl teil! Der Bauer nahm einen der gefundenen Silberrubel mit. Als sie nach dem Gottesdienst zu Mittag gegessen hatten (in Lubāna ist es Brauch, dass die Kirchgänger aus den entfernteren Teilen der Gemeinde, wenn sie zum Abendmahl gehen, ihr Mittagessen mitnehmen), ging der Bauer ins Wirtshaus und kaufte ein halben Stof Schnaps, für den er mit dem mitgenommenen Silberrubel bezahlte. Wahrscheinlich fürchtete er sich vor irgendeinem Übel, wenn er als erster davon trank. Auch ein Fremder, dem man etwas zu trinken anbietet, trinkt nicht als erster. So gab er von dem Schnaps zuerst seiner Frau zu trinken, die wahrscheinlich gar nicht wusste, mit welchem Geld er den Schnaps bezahlt hatte und deshalb den ersten Schluck tat. Als sie nach Hause gekommen waren und die Sonntagskleider abgelegt hatten, ging die Frau über den Hof, fiel in den Brunnen und ertrank. Der Mann, wahrscheinlich aus Trauer um die Frau, verlor den Verstand. Später wurde er zwar gesund, aber jetzt ist er gestorben. Sein Sohn aber gehört noch heute zu den wohlhabendsten Bauern von Lubāna.

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