Verschiedene Sagen über Geld

From Pasakas un teikas
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Der Herrscher der Schlangen habe einen Ring auf dem Kopf. Wer den Ring besitze und ihn an seinem kleinen Finger trage, der könne vergrabenes Geld auffinden. Es sei jedoch keine leichte Sache, in seinen Besitz zu gelangen. Das könne man nur im Frühling versuchen. Wenn die Sonne wieder zu wärmen beginnt, versammeln sich die Schlangen an einem schönen Sonnentag um ihren Häuptling, wobei sie sich um ihn winden und drehen. Die Schlangen, die sich an einem solchen Tag winden und ringeln, sehen nichts. Neben dem Schlangenhaufen seien jedoch Wachen aufgestellt, die gut aufpassen, ab nicht jemand kommt, um sie zu überfallen. Deshalb müsse derjenige, der an den Ring des Häuptlings herankommen wolle, zuerst die Wachen überlisten. Das sei auf folgende Weise zu machen: Man müsse mit der linken Hand ein schwarzes Taschentuch schwenken und den Wächtern "tprru" zurufen. Dann bleiben die Wächter unbeweglich an ihrem Platz und können sich nicht rühren. Nun müsse man an den Schlangenhaufen eilen und mit einem feinen spitzen Haken dem Häuptling den Ring schnell vom Kopf reißen. Sobald man den Ring bekommen habe, müsse man so schnell wie nur möglich fliehen, denn sobald die Schlangen bemerken, dass der Ring fort ist, verfolgen sie den Räuber des Ringes, und dann ist seine letzte Stunde gekommen. Der Schlangenhäuptling selbst könne sogar mit unheimlicher Schnelligkeit in der Luft fliegen. Wenn ihm etwas den Weg versperrt - sei es ein Blatt, ein Baum oder ein Stein — dort fliegt er durch den Gegenstand einfach hindurch. Der Schlangenhäuptling sieht am ganzen Leib rot aus. (Im Krongut von Talsi wird gesagt, dass er ganz weiß sei und wie Silber schimmere. L. P.)

Auch derjenige, der eine Farnblüte entdeckt hat, kann vergrabenes Geld auffinden. Die kleinen Farne wachsen auf Wiesen und Weiden und blühen nur in der Johannisnacht. Wer ihre Blüte abpflücken will, muss große Gefahren bestehen. Es lebte einmal ein Waisenknabe. Sein Stiefvater war sehr hart. Der arme Bub hörte von ihm nur böse Worte, und sogar in der Johannisnacht gönnte er ihm keine Ruhe. Als alle dabei waren, sich zu freuen und zu vergnügen, musste er allein Pferde hüten. Er lehnte sich an einen Hümpel, begann zu weinen und war so betrübt, dass er lieber sterben wollte als in einem solchen Elend weiterleben. Während er noch über sein Schicksal nachdachte, erschien ein Ungeheuer, dann noch eins und noch eins, und alle rückten ihm immer näher. Aber der Waisenknabe fürchtete sich nicht: sollen sie nur kommen, er wünschte sich ja sowieso den Tod. Aber die Ungeheuer rührten ihn nicht an. Bald erschienen an ihrer Stelle bewaffnete Männer auf feurigen Pferden, die beabsichtigten sich auf ihn zu stürzen. Der Waisenknabe fürchtete sich nicht: Mochten sie nur kommen! Aber auch sie griffen ihn nicht an, nach einer Weile hatten sie sich ausgetobt. Da übermannte den Waisenknaben süßer tiefer Schlaf. Er schlief ein und träumte: Ein freundlicher alter Mann kam auf ihn zu und sagte, dass unter seinem Kopf gerade ein Farn aufgeblüht sei. Er solle die Blüte abpflücken und sorgfältig verstecken. Der Waisenknabe erwachte und fand auch wirklich die Blüte. Er pflückte sie und schob sie in den Schaft seines Stiefels. Dann schlief er wieder ein.

Als die Sonne aufging, machte er sich auf den Heimweg. Nachdem er ein Stück vom Weg zurückgelegt hatte, wunderte er sich: Das eine Bein war viel schwerer als das andere. Nun, er kümmerte sich nicht weiter darum. Zu Hause zog er den Stiefel aus - und da rollte aus dem schweren Stiefel Goldgeld heraus. Der böse Stiefvater erriet sogleich, woher er das Geld hatte. Er ergriff sogleich die Farnblüte und gab sie nicht mehr her. So hatte der Waisenknabe nur das Geld, das Beste aber, die Farnblüte, bekam er nie wieder zu sehen.

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