Verschiedene Sagen über Geld

From Pasakas un teikas
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Früher war das Geld natürlich mehr Wert als heute. Jetzt besitzt nur noch selten jemand von uns ein Stück Gold, aber früher war nur Gold-, Silber- oder Kupfergeld in Umlauf. Als reich galt der Mensch, der es verstanden hatte, etwas Gold zu ersparen. Diejenigen, die etwas Geld besaßen, pflegten es in Fäustlingen, Strümpfen oder eisernen Töpfen zu verwahren, um es so besser verstecken zu können. In dieser damaligen "Goldzeit" lebte auch ein alter Mann. Er war sehr geizig und nie bereit, einem anderen etwas zu borgen. Sein ganzes Leben lang hatte er heimlich Geld gespart, und so war es ihm gelungen, bereits ein ganz schönes Töpfchen zu füllen. Er sprach mit keinem Menschen darüber, nur manchmal holte er heimlich das Töpfchen hervor und betrachtete das Gold, das darin glühte wie die Kohle im Backofen. Eine lange Zeit verging. Der Alte wurde immer schwächer. Arbeiten konnte er nun nicht mehr und wartete nur noch darauf, dass man ihn zu dem weißen Sandhügel führen würde. Der Sohn des Alten hatte den Schneider kommen lassen, damit er ihm einen neuen Rock anfertige. Der sterbende Alte dachte jedoch an nichts anderes als nur an sein Geld. Der Schneider war nachts noch wach und merkte, dass die letzte Stunde des Alten nicht mehr fern war. Aber da geschah etwas Unerwartetes. Der Alte nahm sich mit letzter Kraft zusammen, holte eine Schüssel mit sauerer Milch herbei und schüttete sein Geld in die Milch. Sein heißester Wunsch war der, dass niemand nach seinem Tode sein Geld verschwenden könnte. Er holte einen Löffel und begann die Sauermilch zu essen, dass die Geldstücke unter seinen Zähnen erklangen. Nachdem er gegessen hatte, legte er sich wieder ins Bett. Der Schneider hatte das alles beobachtet. Am anderen Morgen, als alle aufgestanden waren, fand man den Alten tot. Der Sohn war zwar betrübt über den Tod des Vaters, aber es war ja nichts zu machen, jeder hatte früher oder später zu sterben. Es blieb ihm also nichts anderes übrig, als für die Beerdigung zu sorgen. Der Tag der Beerdigung kam heran. Am Abend vorher hatte man den Alten zur Kirche gebracht, wo er seine letzte Nacht verbringen sollte. Der Schneider aber dachte nur daran, wie er das Geld aus dem Leib des Alten herausholen könnte. Er kroch in die dunkelste Ecke, damit niemand ihn bemerkte und er so in der Kirche bleiben konnte. Es gelang ihm auch. Als die anderen Leute die Kirche verlassen und die Kirchentür abgeschlossen hatten, kam er aus seinem Versteck hervor und näherte sich mit der Schere dem Sarg des Verstorbenen. Leise hob er den Deckel ab. Dann schnitt er dem Alten den Bauch auf, holte sein Eingeweide heraus und fand das Geld in seinen Därmen. Er band das Geld in ein Tuch, schob das Gedärm in seinen Bauch zurück, schloß den Sarg und verkroch sich wieder in seine Ecke, um dort auf den Morgen zu warten. Am nächsten Morgen wurde die Kirchentür aufgeschlossen, die Menschen begannen sich in der Kirche zu versammeln. Da fürchtete der Schneider, jemand könnte ihn noch entdecken und verließ die Kirche. Er eilte in den Wald. Dort fand er einen Tümpel, säuberte darin das Geld und ging froh nach Hause. Für das Geld ließ er sich ein schönes Häuschen errichten und lebt noch heute, wenn er nicht gestorben ist.

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