Menschen verwandeln sich gern in Werwölfe

From Pasakas un teikas
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Ein Werwolf durfte kein Schaf aus dem Stall holen, es war ihm nur erlaubt, unter freiem Himmel zu rauben. Der Badstübner des Biržmusts-Hofes (jetzt Gumskalns-Hof) hielt ziemlich viele Schafe. Früher hat es ja weder an Weideland noch an Heu gefehlt. In der Nacht hielt er die Schafe in einer Hütte neben der Badestube. Aber eines Morgens bemerkte er, dass die Schafe ganz abgehetzt schienen, nass vor Schweiß. Verängstigt drängten sie sich in eine Ecke der Hütte. Das wiederholte sich mehrere Male hintereinander. "Das ist doch sonderbar," dachte der Badstübner, "Welcher Teufel mag sie nur plagen?" Er beschloss, in der Hütte Wache zu halten. Gegen Mitternacht hörte er ein Rascheln unter dem Hüttenfensterchen. Nun, da kam doch etwas hervor! Da erschien in dem kleinen Fenster ein Kopf: der Werwolf! Seine Augen waren rot wie glühende Kohlen. Er schüttelte den Kopf und fletschte die Zähne so, dass einem das Zittern überkam. Der Badstübner ergriff schon den Knüppel, den er mitgenommen hatte, und wollte ihn damit auf den Kopf schlagen, aber da, zog der Werwolf ihn aus der Fensteröffnung zurück und steckte stattdessen seinen langen buschigen Schwanz zum Fensterchen herein, mit dem er wie mit einem Dreschflegel zu schlagen begann. Da erschraken die Schafe und begannen in der Hütte herumzurennen. Aber das hatte der Werwolf ja gerade gewollt: Kräftig schlug er mit dem Schwanz an die Wände und jagte den Schafen tödliche Angst ein. Aber auch der Badstübner war, so sagt man bei uns, nicht im Fass groß geworden (Das bedeutet: Er war nicht von gestern). Er schlich leise ans Fensterchen, ergriff den Schwanz des Werwolfes, wickelte ihn um seine Hand und hielt ihn fest. Der Werwolf versuchte sich loszureißen, aber vergeblich: Er war wie angebunden. So rangen sie lange Zeit. Schließlich riss sich der Werwolf zusammen, stemmte seine Hinterbeine gegen die Wand und zerrte mit aller Gewalt — ratsch! — da riss das Schwanzende ab und der Werwolf verschwand wie Rauch, der Badstübner aber fiel auf den Rücken, wobei er das abgerissene Schwanzende immer noch fest in der Hand hielt» Seit dieser Zeit hatte man in jener Gegend Ruhe vor dem Werwolf, denn Žibu Kriša war nach dieser Begebenheit ein gutes halbes Jahr krank und siechte so langsam dahin. Bis zum Ende seines Lebens konnte er keine Arbeit mehr verrichten: Ihm fehlte das letzte Stück des Rückgrates, das der Badstübner ihm mit dem Schwanzende abgerissen hatte, und sein Kreuz war so steif, dass er sich nicht einmal bücken konnte, um nur einen Strohhalm aufzuheben.

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