Menschen verwandeln sich gern in Werwölfe

From Pasakas un teikas
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In der Nähe des Dzeņu krogs, am Fuße des Hohen Berges, befand sich zwischen Mooren und Untiefen eine kleine Insel, auf der sich jede Nacht die Zauberer und die Hexen aus der ganzen Gegend versammelten. Dort lag ein morscher Lindenstamm mit hohler Mitte. Der Lindenstamm hatte eine große Kraft: Wer von einem Ende zum anderen durch seine Mitte kroch, konnte jede Gestalt annehmen, die er anzunehmen wünschte. In der Nähe jenes Ortes wohnte ein Bauer, der allgemein als Zauberer bekannt war und seinen Nachbarn viel Schaden zufügte, indem er sich in einen Wolf verwandelte und ihr Vieh und ihre Pferde riss. Der Knecht des Bauern hatte beachtet, dass er um Mitternacht, als alle bereits schliefen, das Haus verließ und erst nach den ersten Hahnenschreien wieder zurückkehrte. Der Knecht beschloss zu ergründen, wohin der Bauer nachts ging und was er trieb. In der nächsten Nacht schlich er ihm heimlich nach. Beide gelangten zu der kleinen Insel. Dort versteckte sich der Knecht im Gebüsch, um den Bauer zu beobachten. Als dieser an den hohlen Stamm kam, zog er sich schnell aus und kroch dann dreimal in die eine, dreimal in die andere Richtung hindurch, wobei er unverständliche Worte murmelte. Zum Schluss sprang nicht mehr der Bauer, sondern ein Wolf aus der Baumhöhle hervor und verschwand sogleich darauf in den Wald. Der Knecht nahm die Kleider des Bauern an sich und versteckte sich im Gebüsch, wo er auf seine Rückkehr wartete. Als die Hähne das erste Mal krähten, kam der Wolf mit großen Sprüngen an und hielt ein Schaf im Maul. Er ließ es auf die Erde fallen und lief zu der Stelle, wo er seine Kleider zurückgelassen hatte, aber er fand sie nicht mehr. Da, begann er zu winseln und überall nach ihnen zu suchen. Der erschrockene Knecht ergriff die Flucht, aber der Wolf rannte ihm nach. Mit knapper Not erreichte der Knecht das Haus und verriegelte hinter sich von innen die Tür. Da war auch der Wolf schon an der Tür und begann winselnd an der Schwelle zu nagen. Die Leute liefen mit Knüppeln herbei und erschlugen den Wolf. Der Knecht wollte ihm das Fell abziehen, aber erschrocken erblickte er darunter den Leichnam seines Bauern. Er begrub den Wolf und erzählte keinem Menschen, was geschehen war. Die Frau wartete auf die Rückkehr ihres Mannes und konnte nicht verstehen, was ihm zugestoßen sein könnte. Aber der Knecht wusste sehr wohl, welches Ende der Bauer genommen hatte.

Anmerkung:

Diese Sage, wenn auch in etwas veränderter Form, hat, auch A. Lerchis-Puškaitis in seine Sammlung aufgenommen (VII, I, 887, 16). P. Š.

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