Menschen verwandeln sich gern in Werwölfe

From Pasakas un teikas
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Comments: Zaļokalnu Jānis hat eine ähnliche Sage aufgeschrieben, in der jedoch die eine Magd nichts von den Untaten der anderen Magd erzählt.


Eines Abends begaben sich zwei Mägde zum Gutshof, denn am nächsten Morgen mussten sie früh beim Dreschen sein. Die eine Magd war viel älter als die andere. Nachdem sie ein gutes Stück Weg zurückgelegt hatten, sagte die Ältere: Man müsste sich hier am Rande des Gebüsches hinlegen und ein wenig schlafen, denn auf dem Gutshof würden die Burschen ihnen ja sowieso keine Ruhe geben und sie nicht schlafen lassen. Wohl meinte die jüngere, sie sollten weitergehen, denn es sei ja nicht mehr weit bis zum Gutshof, aber die ältere Magd erwiderte: Nein und nein, man müsse sich gleich hinlegen. So war nichts zu machen, die jüngere musste gehorchen. Aber sie fand keinen Schlaf und merkte, dass ihre Weggefährtin sehr unruhig war. Ja, sobald die jüngere sich ruhig verhielt, kam die ältere herbeigekrochen und lauschte, ob sie noch nicht eingeschlafen sei. Da stellte sich die jüngere absichtlich schlafend und begann zu schnarchen. Nun lief die ältere Magd an eine hohle Eiche, zog sich nackt aus, kroch dreimal durch den hohlen Stamm, verwandelte sich in eine Werwölfin und verschwand in den Wald. Als die jüngere Magd das sah, erschrak sie sehr, aber sie lief nicht davon, denn sie dachte, die Werwölfin könnte ihr etwas Böses antun, wenn sie ihr unterwegs begegnen sollte. Nach einer Weile kam die Werwölfin mit einem Stück Fleisch im Maul zurückgelaufen, kroch diesmal von der anderen Seite wieder dreimal durch den hohlen Stamm und nahm dann ihre Menschengestalt wieder an. Sie band das Stück Fleisch in ein Tuch, befestigte es an einem Gürtel, den sie um ihren Leib trug, zog sich an und ging dann zu ihrer Kameradin, um sie zu wecken. Dann begaben sich beide zum Gutshof, denn bald war es Zeit, Gerste zu treten. Hier erzählte die jüngere Magd alles, was sie beobachtet hatte, einem Burschen, den sie kannte. Er besprach sich mit anderen und nun beschlossen sie, sich zu vergewissern, ob die Magd tatsächlich Fleisch unter ihrem Rock trug. Sie begannen mit ihr zu scherzen, sie zu haschen und zu drücken, bis sie schließlich das Fleischstück ertastet hatten. Da fragten sie die Magd, was sie da so Weiches habe. Jetzt begriff sie, dass ihre Kameradin sie beobachtet und alles weitererzählt hatte. Zähneknirschend stieß sie hervor: Hätte sie das nur gewusst, so hätte sie die jüngere Magd noch im Gebüsch in Stücke gerissen. Aber nun wurde auch dem Herrn Mitteilung davon gemacht. Er befahl, die Werwölfin zu prügeln und sie dann ins Gefängnis zu werfen. Trotzdem verschwand noch in derselben Nacht ein Schaf aus dem Gutsstall.

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