Menschen verwandeln sich gern in Werwölfe

From Pasakas un teikas
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Es lebte einmal eine Bäuerin, die recht böse war: Sie kannte verschiedene Weisheiten, verkehrte mit Zauberern und beschäftigte sich selbst mit Zauberkünsten und ähnlicher Dingen. Alle, die sie kannten, sagten, sie habe ihre Seele dem Teufel verkauft, deshalb habe der Teufel ihr verschiedene Fähigkeiten verliehen, die sie zum Schaden anderer anwende.

Ihre Nachbarin besaß einen prächtigen Widder und die böse Bäuerin hatte großes Verlangen, diesen Widder zu besitzen. Die Nachbarin aber blieb dabei, dass sie selbst den Widder behalten wolle, und war nicht dazu bereit, ihn zu verkaufen. Darüber wurde die Bäuerin sehr böse, beschimpfte die andere und drohte im Fortgehen: "Du wirst noch bereuen müssen, dass du mir deinen Widder nicht verkaufen wolltest!"

An einem Samstagabend spät, als alle anderen bereits schlafen gegangen waren, machte sich der Knecht der bösen Bäuerin noch auf den Weg, um seine Liebste auf dem Nachbarhof zu besuchen. Als er die Klete verließ, sah er seine Bäuerin, die leise aus ihrer Kammer trat und am Zaun entlang zur Badestube schlich. Er begriff sogleich, dass sie bei solcher Heimlichtuerei nichts Gutes im Sinne hatte. Deshalb schlich er ihr unbeobachtet nach. Die Bäuerin betrat die Badestube, er aber konnte sie durch das Badstubenfensterchen beobachten. Er sah, dass sie sich nackt auszog, ihre Kleider im Badeofen versteckte, nachdem sie sich in eine Werwölfin verwandelt hatte, wieder herauskam und schnell in die Richtung des Nachbarhofes verschwand. Der Knecht wusste sehr gut, was man mit den Kleidern der Werwölfin machen musste, um sie in die Enge zu treiben. Er lief in die Badestube, zog die Kleider hervor, wickelte in sie einen ziemlich großen Stein ein und warf sie dann in einen Wassertümpel. Um der Werwölfin nicht zu begegnen, schlug er einen anderen Weg ein und begab sich zu seiner Liebsten. Bald darauf hörte er, wie die Nachbarsleute schrien und lärmten: "Oh weh, ein Wolf. Ein Wolf ist da!" Und er sah, dass sie einen Wolf, der sich ins nahe Gebüsch flüchtete, mit Knüppeln verfolgten. Die Leute blieben dort stehen. Der Knecht trat auf sie zu und erfuhr von ihnen, dass der Wolf den großen Widder der Bäuerin totgebissen hatte. Dann ging der Knecht nach Hause und legte sich schlafen. Am Sonntagmorgen waren alle Leute des Bauernhofes sehr aufgeregt: Die unheimliche Bäuerin war über Nacht verschwunden. Die Mägde erzählten, sie hätten ihr Bett leer gefunden. Sie war nirgends zu finden. Dann gingen die Frauen zur Badestube, um die zuvor zurückgelassenen Wassereimer zu holen. Eine von ihnen schaute zum Badstubenfensterchen hinein und erblickte einen großen Wolf, der in der Asche vor dem Ofen scharrte. Plötzlich kam er herausgesprungen, sah sie fest an und verschwand dann im Gebüsch hinter der Pferdekoppel. "Das scheint derselbe Wolf zu sein, der letzte Nacht in den Stall des Nachbarbauern eingebrochen war und dort den großen Widder totgebissen hatte“, sagte der Knecht und lächelte ein wenig dabei. "Die Männer hatten ihn aus dem Stall getrieben und ins Gebüsch gejagt." "Mag der bleiben, wo er will, aber wo kann nur unsere Bäuerin sein?“, fragte ein anderer Knecht, aber niemand wusste darauf eine Antwort zu geben. Alles Suchen war vergeblich. Die Bäuerin war und blieb verschwunden. Ihre Schwiegertochter, die bis zu dieser Stunde bei ihrer Schwiegermutter schwere Tage gehabt hatte, übernahm die Pflichten der Bäuerin. Der Wolf wurde jedoch sehr oft in der Nähe des Hauses gesehen: Das Tier war sogar so übermütig, dass es am helllichten Tage auf den Feldern erschien. Die Bauersleute baten den Förster, sie von dem aufdringlichen und schädlichen Tier zu befreien. Bald darauf hatte der Förster Gelegenheit, den Wolf zu erspähen und ihn zu erschießen. Als man ihm jedoch das Fell abziehen wollte, fand man darunter den Leichnam der verschwundenen Bäuerin. Nun erfuhren alle, dass die verschwundene Bäuerin eine Werwölfin gewesen war, aber niemand bemitleidete sie. Der Knecht hat sein Geheimnis für sich behalten.

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