Der Mensch verwandelt sich aus Neugierde in einen Werwolf

From Pasakas un teikas
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Zur Erntezeit mähte der Bauer mit seinen Knechten Roggen auf dem Feld. Plötzlich sah einer der Knechte, dass der Bauer mit der Sense über den Graben sprang und im Gebüsch verschwand. Da dachte der Knecht bei sich: "Aha, ich weiß schon, wohin du gehst!" Auch er überspringt den Graben und steckt seine Sense in einen Erlenstrauch. Dann eilt er durch den Wald bis zum Rand des Moores. Dort sieht er, dass sein Bauer bereits zum dritten Mal unter einer Wurzel hindurchkriecht, sich in einen Wolf verwandelt und durch den Wald davonrennt. Der Knecht ist nicht erschrocken, er denkt sich: "Eigentlich müsste ich auch versuchen, unter der Wurzel durchzukriechen. Dann würde man ja sehen, ob ich mich auch in einen Wolf oder in einen Werwolf verwandele, wie die Leute erzählen. Er tritt näher an den Baum heran und sieht, es sind nur Wurzeln, nichts weiter als Wurzeln. Nun wiederholt er alles, was der Bauer auch getan hatte: Er legt sich auf die Erde, dreht sich auf den Rücken, macht erstmal einen Purzelbaum und kriecht dann unter der Wurzel des Espenbaumes hindurch. Nachdem er das erste Mal durchgekrochen ist, wird es ihm etwas sonderbar zumute, er kriecht noch einmal durch: Da fühlt er, dass er nur noch auf allen Vieren laufen möchte und dass er gar keine Lust mehr hat, aufrecht zu gehen. Jetzt fällt es ihm ein, dass der Bauer, bevor er sich zum dritten Mal unter der Wurzel hindurchzwängte, sich nach allen Seiten umsah, ob ihn nicht jemand beobachtete, und sich dann ganz nackt auszog. Das tat der Knecht auch. Gleich darauf verspürte er eine so große Lust, auch noch ein drittes Mal unter der Wurzel durchzukriechen, dass er dem Verlangen nicht widerstehen konnte. Nachdem er nun auch dieses Mal hindurchgekrochen war, wurde er zu einem wirklichen Wolf, dem nichts begehrenswerter erschien, als Lämmer zu reißen. Er lief in den Wald und hörte plötzlich, dass auf einer kleinen Waldwiese Hirten riefen und lärmten. Er schlich näher heran, aber da erblickte er zwei große Hunde und bekam Angst, sie könnten Löcher in seinen Pelz beißen, was würde dann der Bauer sagen! Er lief zum Baum zurück und wollte sich wieder in einen Burschen verwandeln, um wieder auf dem Feld Roggen zu mähen. Er kroch einmal unter der Wurzel durch, doch er verwandelte sich nicht dabei. Da packte ihn die Angst: Was sollte nun werden? Er versuchte es wieder, sprang geradezu unter der Wurzel hindurch, um sich mit Gewalt den Wolfspelz vom Leibe zu zerren, aber es war vergeblich. Wie er war, so blieb er. Was sollte er nur tun? In seiner Angst lief er durch den Wald zum Acker hin. Da sieht er: Der Bauer ist ganz allein beim Roggenmähen. Während er selbst nach den Hirtenhunden und den Lämmern geschaut hatte, war der Bauer mit seinem Lamm längst fertig und war an den Pflug zurückgekehrt. Seinen Knecht hatte er nicht vorgefunden. Da schoss es ihm durch den Kopf: Hoffentlich hat er keine Dummheiten gemacht! Und richtig: Als er stehen blieb, um seine Sense zu dengeln erblickte er einen jungen Wolf, der aus dem Wald hervorkam und auf ihn zukroch. Der Bauer rief ihm zu: "Was suchst du hier?" Da zeigte der Wolf betrübt auf seinen Pelz und dann in die Richtung des Waldes.

Da legt der Bauer seine Sense weg und ruft ihm zu: "Komm mit!" Der junge Wolf folgt ihm. Als sie an dem Baum angelangt sind, gibt der Bauer ihm drei ordentliche Backpfeifen und sagt dann: "Kriech jetzt dreimal unter der Wurzel durch!" Der Wolf gehorchte. Nach dem dritten Mal stand er wieder da, als der Busche, der er vorher gewesen war, vor dem Bauern. Der zog ihn an den Ohren: "Du Dummkopf, wenn du nicht weißt, wie etwas zu machen ist, dann lass die Finger davon, sonst versengst du dir nur das Fell! Und nun mach, dass du ans Mähen kommst!"

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