Der Mensch verwandelt sich aus Neugierde in einen Werwolf

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Einmal waren der Knecht und der Bauer beim Pflügen. Es war um die Frühstückszeit. Da sagte der Bauer zu dem Knecht, er solle nur ruhig weiterpflügen, er selbst wolle ein wenig jagen. Der Knecht, der noch nicht lange in seinen Diensten war, wusste ja nicht, dass der Bauer sich als Werwolf herumzutreiben pflegte. Der Bauer ging an eine Birke, die am Waldrand stand, zog sich aus, kroch unter eine Wurzel hindurch und verschwand. Der Knecht wartete, dass der Bauer zurückkehren würde, aber er konnte es nicht abwarten. Da ging er ebenfalls zum Waldrand, um nachzusehen, wo der Bauer sein mochte. Er trat an die Birke, sah sich nach allen Seiten um, aber er konnte ihn nicht entdecken. Nur dessen Kleider lagen in der Nähe herum. Da überkam auch den Knecht das Verlangen, unter der Wurzel hindurchzukriechen. Er tat es und kehrte dann auf den Acker zu seinem Pferd zurück, ohne zu merken, dass er sich in einen Wolf verwandelt hatte. Als das Pferd den Wolf bemerkte, bäumte es sich auf und galoppierte nach Hause. Der Bursche lief dem Pferd nach. Es rannte mit dem Pflug in einen Schuppen, der Knecht weiter hinterher, aber das Tier ließ sich nicht einfangen, es wieherte und schlug aus. Frauen, die in der Korndarre beim Kochen waren, schauten in den Schuppen herein und sahen, dass ein Wolf das Pferd vor sich hertrieb. Da eilten sie mit Knüppeln und Dreschflegeln herbei und schlugen auf den Wolf ein. Der Knecht flehte sie an und wollte erklären, dass er ja doch zum Gesinde gehöre, aber die Frauen hörten gar nicht auf ihn und erwiderten seine Bitten nur mit neuen Schlägen. Sie hätten ihn gewiss erschlagen, wenn der Bauer nicht mit einem Lamm zurückgekehrt wäre. Er rettete ihn aus der Not und brachte ihn an den Baum zurück, wo er ihn rückwärts unter der Wurzel hindurchkriechen ließ. So wurde der Wolf wieder zu einem Menschen.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox