Der Zauberer verwandelt Menschen in Werwölfe

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Comments: Diese Sage hat auch Lerchis-Puškaitis aufgenommen. (VII, I, 907, 1), aber er hat unnötigerweise die Sprache von Krēsliņš geändert. Anstelle von “gariņi" (Geister)" wird "dieviņi" (Götterchen) gebraucht, denn — soweit ich mich erinnern kann — träumte Krēsliņš gern von Göttern, Geistern und Helden. Auch P. Bērziņš, der diese Märchen verlegt hatte, berichtet, dass er einige unglaubhafte Dinge verworfen habe. P. Š.


In alter Zeit, als der liebe Gott selbst noch auf der Erde wandelte, wurde im Zagadi-Dorf von Alsviķi eine prächtige Hochzeit gefeiert. Drei Tage und drei Nächte wurde gegessen, getrunken und getanzt, aber niemand dachte an die “gariņi“ (Geister). Am Abend des dritten Tages erschien ein alter grauer Mann mit einem langen weißen Bart, einem weißen Stock in der Hand und einem Bettelsack um den Hals. Mit kläglicher Stimme bat er ums Nachtlager. Aber der Bräutigam und die Braut lehnten seine Bitte schroff ab: "Wie kannst du, ein herumstreunender Bettler, es wagen, uns um ein Nachtlager zu bitten. Für solche Leute gibt es bei uns kein Bett. Geh in den Wald, dort kannst du das Lager des Wolfes teilen!" Der Bettler wiederholte nochmals seine Bitte, aber die Hochzeiter warfen ihn einfach hinaus. Da sagte der alte Mann kein Wort mehr und ging fort. Nach einigen Schritten blieb er stehen, blickte auf die Hochzeitsgesellschaft zurück und sagte: "Mich habt ihr zu den Wölfen geschickt, selbst werdet ihr zu Wölfen werden. Bis zum Jüngsten Tag werdet ihr als heulende Wölfe herumstreunen und nur demjenigen werden seine Sünden vergeben, den ein Jäger erschießen wird. Kaum hatte der Alte jene Worte ausgesprochen, als der Bräutigam, die Braut und die Hochzeitsgäste sich in Wölfe verwandelten und in den Wald liefen. Seit der Zeit gab es in der Nähe des Zagadi-Dorfes sehr viele Wölfe, die meisten aber waren keine echten, sondern Werwölfe. Werwölfe pflegen nicht vor Menschen zu fliehen, sie schauen sie vielmehr mit tränenvollen Augen an. Sie fürchten sich nicht vor den Kugeln der Jäger, denn sie warten auf den Tod als Erlösung. Aber auch die Jäger erkennen die Werwölfe und wollen sie nicht erschießen aus Angst, sie könnten einen Mord begehen. Dennoch geschieht es manchmal, dass ein Jäger, der glaubt, einen Wolf zu erlegen, in Wirklichkeit einen Werwolf erschießt. Wenn er das Fell abzieht, bemerkt er darunter den Menschenleib, den er dann heimlich in seinem Wolfsfell im Walde begräbt. Es ist noch nicht lange her, als in Alsviķi ein alter Mann lebte, der in seiner Jugend ein tüchtiger Jäger gewesen war und einmal einen Werwolf erschossen hatte. In der nächsten Nacht war dem Alten einer der Hochzeitsgäste des Zagadi-Dorfes im Traum erschienen und hatte sich für die Erlösung bedankt.

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