Der Zauberer verwandelt Menschen in Werwölfe

From Pasakas un teikas
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In der Badestube eines Bauernhofes lebte ein Bettler, der als großer Zauberer gerühmt wurde. Er hatte eine sehr schöne Tochter. Der Herr hatte sie einmal gesehen und begehrte sie sehr. Um ans Ziel zu kommen, ließ er den Bettler zu sich aufs Gut kommen und teilte ihm mit, dass er seine Tochter zu seinem Zimmermädchen auserwählt habe. Die Tochter solle gleich morgen kommen und ihren Dienst antreten. "Wenn der gnädige Herr so befiehlt, hat meine Tochter zu gehorchen", antwortete der Alte, der nur zu gut verstand, weshalb der Herr seine Tochter zur Magd haben wollte. Der Herr wunderte sich, dass der Vater ihn gar nicht zu bitten versuchte, auf seinen Befehl zu verzichten, wie es die meisten anderen Väter getan hätten.

Als der Vater seiner Tochter erzählte, was der Herr befohlen habe, begann sie zu weinen und zu jammern, aber der Vater tröstete sie: "Sorge dich nicht, mein Kind, und vergiss nicht, dass du einen Vater hast, der dich zu retten vermag. Geh nur getrost aufs Gut und verlass dich auf meine Hilfe." Er beriet seine Tochter, wie sie sich der herrschaftlichen Überredungskunst und den Lockungen gegenüber verhalten solle. Der Herr empfing sein neues Zimmermädchen sehr freundlich; er erklärte ihr persönlich ihre neuen Aufgaben und zeigte ihr, wie sie zu verrichten seien. Dann wies er ihr ein Zimmerchen neben seiner eigenen Wohnung zu. Als die junge Magd sich am Abend schlafen gelegt hatte, betrat der Herr bald darauf ihre Schlafkammer und begann ihr freundliche und aufdringliche Worte zuzuraunen. Als sie jedoch kühl antwortete, der Herr solle weggehen und sich ihr nie mehr in einer solchen Absicht nähern, lächelte er nur. Als der Aufdringliche sich gar nicht anschickte, ihre Schlafkammer zu verlassen, gab ihm das kräftige Mädchen eine solche Ohrfeige, dass ihm Hören und Sehen verging. "Für diese deine Dreistigkeit wirst du schwer bestraft!", rief der Herr und verließ die Schlafkammer.

Am nächsten Morgen befahl er seinen Leuten, das Mädchen in Ketten zu legen und in den Keller zu werfen. Dann ließ er auf dem Gutshof einen Pfahl in die Erde rammen und rief alle Leute herbei. Sie sollten sehen, wie jemand bestraft wurde, der es gewagt hatte, ihn zu schlagen. Neben dem Pfahl standen zwei Männer mit Ruten. Dann befahl der Herr, die Angeklagte vorzuführen und teilte als Ankläger und Richter in einer Person den versammelten Leuten mit: "Diese Magd wollte mir gestern Abend Geld stehlen. Als ich sie dabei ertappte, versetzte sie mir einen solchen Schlag ins Gesicht, dass meine Wange noch heute angeschwollen ist." – "Er lügt, dass ich sein Geld stehlen wollte, er dagegen wollte vielmehr mit Gewalt meine Ehre rauben, und ich habe ihn nur deshalb ins Gesicht geschlagen, um mich zu wehren", sprach die Angeklagte unerschrocken dazwischen. Der Herr verhielt sich so, als hätte er ihre Worte gar nicht gehört. Er redete einfach weiter: "Es ist ein großes Verbrechen, wenn ein Leibeigener es wagt, seinen Herrn zu schlagen, deshalb bestimme ich Folgendes: Die Angeklagte ist an den Pfahl zu fesseln, ihr Rücken ist zu entblößen und ihr sind hundert Rutenschläge zu verabreichen. Die Strafe ist sofort zu vollziehen!" Als das Mädchen zum Pfahl gebracht und von den Ketten befreit worden war, zwinkerte der Vater, der sich auch unter den Zuschauern befand, ihr plötzlich zu. Gleich darauf war die Angeschuldigte verschwunden und an ihrer Stelle stand ein böser Wolf, vor dem die Schläger davonliefen. Das Mädchen war durch die Zauberkraft ihres Vaters zu einer Werwölfin geworden, die schnell auf den Herrn zusprang und ihm zwei Finger der rechten Hand abbiss. Dann ergriff die Werwölfin die Flucht und verschwand im Wald, bevor die verdutzten Leute sie wieder einfangen konnten.

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