Wie Zauberer entstehen

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Es lebte einmal ein Schneider, der den Wunsch hatte, Zauberer kennenzulernen. Es gelang ihm schließlich auch, an einer ihrer Versammlungen teilzunehmen, bei der er sogleich bat, ihn in ihre Schar aufzunehmen, weil er ihre Künste erlernen wolle. Der älteste Zauberer nahm ihn als Lehrling an und schickte ihn sogleich an die Arbeit. Sie gaben ihm in die rechte Hand eine Schafschere, in die linke eine Sense. Mit der Sense musste er eine große Menge Wolle umrühren, wobei er immer nur rechts rühren sollte, dann würden sich die Schafe gut scheren lassen. Der Schneider tat, wie man ihm befohlen hatte, aber manchmal rührte er versehentlich auch nach links, weshalb der alte Zauberer ihn tüchtig ausschimpfte. Bald hatte der Schneider die Kunst erlernt und gab sich als ein treuer Knecht des alten Zauberers. In der Fastenzeit machte sich der alte Zauberer für eine weite Fahrt bereit, um an einem entfernten Ort Schafe zu scheren. Er nahm auch den Schneider mit. Der Alte kletterte auf einen Bienenkorb und der Schneider durfte hinter ihm auf dem Korb sitzen. Sogleich erhob sich der Korb in die Luft und sie flogen davon, bis sie an einen großen Wald kamen. Da sagte der Zauberer: "Über die Wipfel, über die Wipfel hinweg!" Aber der Schneider, der ein großer Schlaumeier war, murmelte leise: "Durch die Mitte, durch die Mitte!" Der Bienenkorb gehorchte nur dem letzten Befehl und sauste zwischen die Bäume, dass die Zweige krachten und brachen. Der alte Zauberer, der vorn auf dem Korb saß, wurde zerkratzt und verletzt, aber der Schneider hinter ihm blieb heil und unverletzt. Schließlich kamen sie doch zu dem Stall, den der Alte ausgesucht hatte. Dort befahl der Zauberer dem Schneider, er solle dem Schwarzen Schaf drei Kreuze auf die Stirn schneiden, aber die Schere des Schneiders bearbeitete auch den Hals und den Rücken des Schafes. Dann gab der Zauberer ihm einen weißen Widder, den er scheren sollte, und nun ging es schon besser. Als die anderen Schafe an die Reihe kamen, hatte der Schneider die Kunst bereits erlernt. Als sie den Stall verließen, mussten sie sich beeilen, denn sie hatten sich schon ein bisschen zu lange aufgehalten; sie waren nur fähig, bis zum ersten Hahnenschrei in der Luft herumzufliegen. Sobald die Hähne zu krähen begannen, fiel der Bienenkorb auf die Erde herab. Als sie wieder am großen Wald angelangt war, befahl der Zauberer: "Über die Wipfel, über die Wipfel hinweg!" Aber der Schneider, der den alten Zauberer einmal ordentlich belehren wollte, brummte leise: "Durch die Mitte! Durch die Mitte!" Der Bienenkorb flog wieder zwischen die Bäume hindurch und der Alte wurde von den Zweigen blutig zerkratzt. Der Zauberer fluchte und versuchte zähneknirschend den Bienenkorb auf den richtigen Weg zu lenken, aber der Bienenkorb gehorchte nur dem letzten Befehl. Während sie sich noch so abquälten, begannen die Hähne zu krähen Der Bienenkorb sauste mit den beiden Reitern auf die Erde hinab, so dass die Zweige krachten und brachen. Der verletzte alte Zauberer eilte jammernd und heulend davon, der Schneider aber nahm die Werkzeuge und den Wollsack des Zauberers und ging lachend nach Hause. So hatte er mit seiner Schlauheit den Zauberer überlistet und noch dazu seinen Wollsack bekommen.

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