Verfluchen gleicht Zaubern

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search

Ramovski in Ludza hatte einen dreijährigen Sohn. Eines Sonntags fuhren Mann und Frau zur Kirche. Zu Hause blieben nur der kleine Sohn und die Großmutter. Um die Messezeit nahm auch die Alte ihren Rosenkranz, kniete sich hin und begann zu beten. Da kam der kleine Junge in die Stube gelaufen, begann zu erzählen und wollte der Großmutter auf den Rücken klettern — wie eben ein Kind es tut. Die Großmutter rief zu ihm: "Sei ruhig!" Sie rief noch ein zweites Mal zu ihm: "Sei ruhig!" Aber, das Kind hörte nicht auf herumzutollen. Beim dritten Mal schrie die Alte es an: "Wenn der Teufel dich holen möchte! Die ganze Zeit störst du mich beim Beten!" Da lief das Kind aus dem Zimmer, als hätte man ihn auf den Mund geschlagen. Die Alte sprach ruhig ihr Gebete zu Ende und ging dann hinaus, um nach dem Kleinen zu sehen. Sonderbar! Es war wie ins Wasser gefallen: Man sah und hörte es nicht. Die Alte rief es und suchte überall, aber das Kind war nirgends zu finden. Als Vater und Mutter von der Kirche zurückkehrten, erzählte sie ihnen, was geschehen war. Die Nachricht von dem Unglück verbreitete sich schnell im ganzen Dorf. Die Einwohner suchten einen ganzen Tag lang nach dem Kind, sie suchten auch den zweiten Tag nach ihm. Die Dorfbewohner legten Geld zusammen, brachten es dem Pfarrer und baten ihn, für das verschwundene Kind zu beten. Erst am dritten Tag fanden sie den Kleinen gut drei Werst vom Dorf entfernt. Er war tot. Die Vögel hatten seinen Leib aufgepickt, es waren nur seine Knöchelchen und seine Kleider übrig geblieben. Die Knöpfchen der beiden Hemdchen waren in die Ärmel gesteckt worden. So geht es, wenn man so böse Worte zu einem Kind sagt. Die alte Frau weint noch heute über ihre unbesonnene Tat. Eine Bekannte erzählte mir, dass die Eltern und die Großmutter des Kindes noch lebten. Sie sprechen noch immer über das geschehene Unglück.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox