Verfluchen gleicht Zaubern

From Pasakas un teikas
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Eine Mutter hatte ein dreijähriges Söhnchen. Die Mutter spann, das Kind spielte am Spinnrad und riss auf einmal das Trittbrettchen los. Da schimpfte die Mutter: "Sitz ruhig, wenn du unartig bist, hole ich die Rute!" Aber der Junge kam wieder ans Spinnrad und riss diesmal die Schnur vom Rad ab. Da schrie die Mutter: "Du eigensinniger Bengel. Gleich stehe ich auf und versohle dir den Hintern!" Aber das Kind gehorchte noch immer nicht: Es steckte ein Stöckchen zwischen die Speichen des Rades. "Wenn dich doch der, der im Sumpf lebt, holen möchte!" schrie die Mutter in ihrem Zorn und erhob sich, um nach der Rute zu suchen. Der Junge flog wie geworfen zur Tür hinaus, die Mutter blieb schimpfend im Zimmer zurück. Nach einer Weile hatte sie sich beruhigt und ging hinaus, um nach dem Kind zu sehen, aber sie konnte es nirgends finden. Die Mutter weinte und jammerte; es verging ein Jahr, es verging ein zweites, aber der Junge kehrte nicht nach Hause zurück. Die Mutter betete für das Kind wie für einen Verstorbenen und lebte fortan allein. Als Leute im Moor Gras mähten, sahen sie, dass jemand auf einem Hümpel saß. Sie gingen näher heran: Ja, es war jemand — fast wie ein Mensch. Man fragte ihn, warum er dort sitze, aber er antwortete nichts und schien nicht ganz bei Sinnen zu sein. Die Leute erzählten es weiter, auch die Mutter erfuhr davon und kam herbei, um sich ihn anzusehen. Und was denkt ihr: nach siebzehn Jahren erkannte sie ihren Sohn und brachte ihn nach Hause. Aber er blieb nur drei Tage dort, dann war er wieder verschwunden. Vielleicht hatte der, der im Sumpf wohnt, ihn wer weiß wohin gebracht.

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