Zauberer verfolgen andere Menschen

From Pasakas un teikas
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Comments: Diese Sage ist sehr verkürzt. Eine ähnliche Sage hat auch Andrejs Vaskis in der Gegend von Tukums aufgeschrieben. P. Š.


Auf einem Gut war der alte Gutsherr gestorben. Sein Sohn, der in Deutschland verschiedene Wissenschaften studiert hatte, erbte den Landbesitz. Der junge Herr war denn auch überklug und glaubte nicht an Zauberer, sondern sagte, dass diejenigen, die sich als solche ausgeben, Betrüger seien, die dumme Leutchen einschüchtern wollen. In der Gemeinde des Jungherrn gab es auch einen alten lahmen Mann, der von Bettelei und vom Zaubern lebte. Manche Leute wandten sich an den neuen Herrn und beklagten sich über den alten Adam, der ihnen verschiedene Krankheiten angehext habe. Der Herr ließ ihn aufs Gut bestellen, um ihn auszuschimpfen, dass er den Leuten Angst einjage, indem er ihnen erzähle, dass er zaubern könne. Als der lahme Adam vor seinen Herrn trat, fragte dieser ihn: "Kannst du zaubern?" – "Ich kann es ", gnädiger Herr," antwortete Adam mutig. "Wie wagst du es, mir solche Lügen zu erzählen!" herrschte der Herr ihn an. "Das sind keine Lügen, gnädiger Herr, ich beherrsche tatsächlich die Künste des Zauberns und des Besprechens, ich habe sie von meinem Vatervater geerbt," antwortete unerschrocken der lahme Adam. "Da du dich nicht schämst, deinem Herrn solche Lügen zu erzählen, lasse ich dich prügeln. Vielleicht sind Schläge die beste Medizin gegen deine Unvernunft. Dann kannst du, wenn du willst, mit der Weisheit deines Vatervaters verhexen." Der Herr befahl, den lahmen Adam in den Pferdestall zu führen und ihm dort dreißig Rutenschläge zu verabreichen. "Wegen dieser Ungerechtigkeit wird der Herr noch an mich denken müssen," sagte Adam zu seiner Bestrafung. Als der Herr am nächsten Morgen seine Wohnung verließ, trat er auf ein Ei, das vor die Treppe gelegt worden war. Als er es zertrat, spritzte das Eigelb hoch und bespritzte auch seine rechte Hand. Der Herr dachte sich nichts weiter dabei. Er schimpfte nur die Geflügelhüterin des Gutes aus, weil sie die Hennen frei herumlaufen lasse. "Das Ei hat gewiss der Zauberer gebracht," dachte die Magd bei sich, "da wird der Herr bald sehen, was geschehen wird." Bald darauf verspürte der Herr Schmerzen in seiner rechten Hand. Er dachte jedoch nicht daran, dass der Zauberer das bewirkt haben könnte, sondern eilte nach Hause, um die Stelle mit Arznei zu behandeln. Die Hand schwoll jedoch an und tat immer mehr weh. Der Herr befahl dem Kutscher, den Arzt zu holen. Dieser fand sich ein und betrachtete die Hand des Herrn, die bereits ganz schwarz geworden und sehr angeschwollen war. Dann schüttelte er den Kopf und sagte, diese Art Krankheit sei ihm völlig unbekannt. Zwar verschrieb er ihm Arzneien, aber der Zustand des Herrn verschlechterte sich weiter: Der ganze Arm schwoll an und die Schmerzen steigerten sich so, dass er gar nicht schlafen konnte. Der Herr rief noch andere Ärzte herbei, aber auch die wussten keinen Rat und meinten, das einzige Mittel sei, die Hand abnehmen zu lassen. Darüber wurde der Herr sehr böse und reiste nach Deutschland ab. Ein paar Monate später kehrte er aus Deutschland noch kranker zurück als er hingefahren war. Die Leute des Herrn glaubten alle, dass der lahme Adam dem Herrn die Krankheit aus Rache für die bezogenen Prügel angehext habe. Der Kutscher nahm allen Mut zusammen und berichtete dem Herrn, was die Leute über seine Krankheit erzählten. Schließlich begann auch der Herr selbst zu glauben, dass es möglich sein könnte, dass Adam ihm aus Rache die Krankheit angehext hatte. Er befahl dem Kutscher, Adam aufs Gut zu bringen. Er betrat dann auch völlig unerschrocken die Gemächer des Herrn. Dieser fragte ihn sogleich, ob er an seiner Krankheit schuldig sei. Zu seiner Rechtfertigung sagte Adam: "Der gnädige Herr hat selbst gesagt, ich solle ihn behexen, wenn ich es könne." "Dann kannst du meine Krankheit auch heilen und darfst mich nicht mehr länger leiden lassen!" befahl der Herr. Adam ergriff die kranke Hand des Herrn und murmelte einige unverständliche Worte. Nach einigen Tagen war der Herr wieder völlig gesund und von seinen Qualen erlöst. Darüber war er so froh, dass er den alten Adam reichlich beschenkte. Jetzt glaubte auch er, dass es doch einige Menschen gab, die zaubern konnten und war überzeugt, dass der alte Adam ein Zauberer war.

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