Zauberer verfolgen andere Menschen

From Pasakas un teikas
Jump to: navigation, search
Comments: A. Lerchis-Puškaitis hat in Džūkste noch die folgende Sage aufgeschrieben: Ein Brettschneider habe mit Worten Strautiņš, den Zauberer aus Lestene, beleidigt. Bald darauf verunglückte er an der Säge und musste Strautiņš bitten, ihm zu helfen. P. Š.


Vor dreißig oder mehr Jahren pflegten die Leute von Džūkste und Pienava über den Engure-See nach Mērsrags zu fahren, um von dem dortigen Waldhüter Brennholz zu holen. Eines Abends hatten sie ihre Fuhren wieder mit Holz beladen und hofften bis zum Einbruch der Nacht über das glatte Eis des Sees noch schnell heimzukommen. Sie fuhren und fuhren, es wurde dunkel und sie hatten sich verirrt. Es war nichts zu machen, sie holten Brennholz aus den Schlitten, machten ein Lagerfeuer und warteten auf den Morgen. Als es hell wurde, sahen sie, dass sie schon fast wieder zu der Stelle zurückgekehrt waren, an der sie ihre Fuhren beladen hatten. Sie spien aus und machten sich sogleich wieder auf den Weg, den See zu überqueren. Sie fuhren und fuhren, bis sie zum Plieņi-Krug kamen, wo sie ihre Pferde versorgen wollten. Dort fanden sie einen Fischer aus Dundaga schon vor. Da erinnerten sie sich, dass sie den Mann schon gestern gesehen hatten und einige der Männer aus Džūkste sich noch einige Scherze mit ihm erlaubt hatten. Nachdem sie ihre Pferde versorgt hatten, betraten sie das Wirtshaus, um selbst Mahlzeit zu halten. Während die anderen noch aßen und sich mit dem Fischer unterhielten, schlich einer der Männer aus Džūkste leise hinaus, betrat den Stall und holte aus der Fuhre des Fischers einen Fisch, dann noch einen und danach auch noch einen dritten. Als er sich jedoch davonmachen wollte, erlebte er eine große Überraschung: Er kam von der Fuhre nicht mehr los — als wäre er angebunden. Er stand so lange da, bis die anderen Männer kamen und ihre Pferde wieder anspannen wollten. Da bedrängte er sie, sie möchten doch den Fischer holen. Sie gingen denn auch zu ihm, aber der lachte nur und sagte: "Soll er nur stehen, er hat Zeit genug!" Da sagten die anderen, sie müssten weiterfahren und würden ihn allein keinesfalls zurücklassen. Wenn der Fischer ihn im Guten nicht loslassen wolle, dann würden sie ihn schon noch belehren." Aber der Fischer antwortete darauf nur: "Wenn ihr nicht im Guten davonfahren wollt, werdet ihr noch alle an mich denken müssen!" Da überlegten sie sich die Sache: "Was soll man sich eines Diebes wegen in Unannehmlichkeiten stürzen!" Sie setzten sich auf ihre Fuhren und wollten losfahren — mochte mit dem Angebundenen geschehen, was wolle. Aber was war nun schon wieder? — Der erste zog seinem Pferd eins mit der Peitsche über: Es zog nicht an. Die andere bearbeiteten ihre Pferde ebenfalls mit Peitschen — vergeblich: Man hätte sie in Fetzen schlagen können, sie bewegten sich nicht von der Stelle. "Ist das nicht eine tolle Sache? Nun muss man den Zauberer anflehen, ob es einem passt oder nicht." Sie gingen ins Wirtshaus zurück und baten ihn im Guten. "Ja" — meinte er — "wenn ihr so redet, dann ist es eine andere Sache. Ich werde euren Freund und euch selbst freilassen, aber merkt es euch für die Zukunft: Ihr sollt keinen Menschen unterwegs verspotten, wie das einige von euch gestern mit mir versucht haben. Was habt ihr damit nun erreicht? Die ganze Nacht musstet ihr herumirren! Der Fischer folgte ihnen in den Stall und schlug mit dem Peitschenstiel auf die Finger des Angebundenen: Da war er sogleich frei. Nur einen Fisch beließ er in seiner Hand, indem er zu dem Dieb sagte: "Fahre nun nach Hause und gib den Fisch deiner Frau!" Und noch eine Überraschung: Solange sie unterwegs waren, klebte der Fisch an seiner Hand. Erst als er ihn zu Hause seiner Frau reichte, löste er sich ab.

Ein anderes Mal führte ein Mann aus Niederkurland, der nach Sloka fuhr, sein Pferd in den Stall des Grote-Kruges (an der Straße nach Riga), die Fuhre ließ er jedoch am Rande der Landstraße — gerade gegenüber den Fenstern des Wirtshauses. Die anderen Fuhrleute, die im Wirtshaus saßen, wunderten sich: Wie könne man seine Fuhre nachts draußen lassen? Der Mann antwortete nur: "Warum sollte ich denn meine Fuhre selbst bewachen, mögen es doch andere tun!" Als die anderen am nächsten Morgen abreisen wollten, kamen sie in die Kammer des Niederkurländers gerannt: "Deine Fuhre steht nicht mehr an der Straße!" "Lasst nur, lasst! „, antwortete jener, indem er seine Augen rieb, "sie wird sich schon wiederfinden!" Und wahrhaftig: Während sie noch ihre Pferde anschirrten, sahen sie, dass drei Soldaten mit der Fuhre herankamen und flehentlich baten, sie doch wieder loszulassen, sie würden auch nie wieder stehlen. Die ganze Nacht hätten sie frieren müssen: Erst hätten sie die Fuhre in den Wald gezogen, um die Sachen unter sich zu verteilen, aber dann seien sie nicht mehr von ihr losgekommen. Deshalb seien sie mit der Fuhre wieder zurückgekommen. Sie baten so flehentlich, dass er sie wieder losließ.

Einmal geschah dasselbe in der Nähe des Lāči-Kruges an der See. Ein Mann von Talsi fuhr mit Leinsamen nach Riga. Es war schon spät am Abend, als er den Lāči-Krug erreichte. Der Stall war voll von Rindern, die nach Riga getrieben wurden. Da war nichts zu machen. Sein Pferd konnte er zwar noch in einer Ecke des Stalles unterbringen, aber die Fuhre musste draußen bleiben. Am nächsten Morgen in aller Frühe brachen die Viehtreiber auf. Sie wollten nur noch vorher frühstücken und etwas trinken. Sie suchten überall nach dem Wirt, aber er war verschwunden. Was nun? Als sie hinausgingen, sahen sie, dass der Wirt wie angebunden an der Fuhre stand und einen Sack mit Leinsamen auf dem Rücken trug. Er zittert vor Kälte, aber loskommen kann er nicht. So soll er dort bereits die ganze Nacht gestanden haben. Schließlich kam der Mann aus Talsi heraus und befreite den Dieb, der seinen Leinsamen gestohlen hatte.

Früher soll auch in Džūkste ein Zauberer namens Strautiņš gelebt haben. Einmal begegnete er einer Frau, die ein Ferkel im Sack trug und er erkundigte sich, was sie in ihrem Sack habe. "Ein Ferkel!" "Nun, dann geh nur weiter!“, brummte Strautiņš – mehr sagte er nicht. Als die Frau das Ferkel nach Hause gebracht hatte, war es tot.

Ein anderes Mal hetzte ein Hirtenknabe, der am Straßenrand seine Herde hütete, den Hund auf Strautiņš, indem er rief: "Pack den Strautiņš!" Und was geschah? Am nächsten Tag verletzte der Junge sein Bein so schwer mit der Axt, dass er den ganzen Sommer über liegen musste.

Ein anderes Mal hatte ein Kutscher Str. begrüßt und ihm die Hand gereicht. Und was denkt ihr: die Hände verkrampften sich und die Arme wurden nach rückwärts gebogen. Einmal ist es jedoch Strautiņš selbst schlecht ergangen. Er hatte gedroht, die Kuh eines Mannes zu verhexen. Aber dieser besorgte sich einen ordentlichen Stock aus Ebereschenholz, kletterte auf eine Weide und wartete, bis Strautiņš in der Nacht kommen würde. Ja, Strautiņš kam auch wirklich angeschlichen und strich um den Stall herum. Da sprang der Mann von der Weide herab und begann, ihn mit dem Ebereschenstock zu prügeln. Damals hat Strautiņš ganz böse Hiebe damit bekommen.

In Pienava ist wiederum so manches zu Brauns| Zeiten geschehen. Brauns selbst war der reinste Werwolf, und es ist selbstverständlich, dass zu seiner Zeit gute Menschen es auf dem Gutshof sehr schwer hatten. Einmal wurde Heu eingefahren. Schon wollten die Leute Feierabend machen, als plötzlich Brauns selbst erschien: Fünf Männer sollten ihm Heu bringen, er wolle es allein entgegennehmen. Sie wollten es erst nicht glauben, aber schließlich — ein Teufel war er ja, das war schon möglich. Und nun brachten sie es ihm zu fünft hintereinander. Man sah nicht, wo das Heu blieb, aber alle fünf Bepackte wurden so müde, dass sie Schaum vor dem Mund hatten.

Der Brauer des Brauns war auch ein Zauberer. Was der nicht alles fertigbrachte! Einmal hatten drei Juden, die mit ihrer Handelsware auf dem Rücken durch die Gegend zogen, ein wenig von dem angesetzten Bier ohne Erlaubnis des Brauers getrunken. Was geschieht? Die Juden gehen ins Haus, der Brauer, beginnt die Asche mit einer Rute zu prügeln. Da schreien die Juden wie toll: Man würde sie totschlagen. Wer sie schlägt, das sehen sie nicht. So einer ist er gewesen.

Personal tools
Namespaces

Variants
Actions
Navigation
Project
Categories
Add
Tools
Toolbox